Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 14

07. Mai 2019, Garten-Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Nicht nur über die unzähligen Pflanzen und Blumen freue ich mich, die in meinem Dornröschengarten wachsen. Auch die vielen Vogelarten, die hier jedes Jahr brüten, die Insekten in Schach halten, mich mit ihrem Gesang erfreuen und die ich im Winter gerne vom Fenster aus beobachte, begeistern mich. Viele fruchttragende Gehölze und Sträucher habe ich extra für die Vögel gepflanzt. Und damit sie auch jedes Jahr wiederkommen, werden sie im Winter ordentlich mit Futter versorgt. Im vergangenen Herbst war ich deshalb mal wieder auf Schnäppchenjagd im Baumarkt unterwegs und habe neben diversen Meisenknödeln auch ein paar besonders günstige Säcke Vogelfutter ergattert. Die gefiederten Freunde sollen es ja gut haben, aber zu teuer soll es schließlich auch nicht werden.

Den ganzen Winter über habe ich dann fleißig das günstige Futter ins Vogelhaus gestreut, Meisenknödel in die Sträucher gehängt und weiche Äpfel in die Beete gelegt. Oft habe ich am Küchenfenster gestanden und heimlich mit meinem Kater auf dem Arm die Vögel beobachtet. Wobei wir beide wohl ganz unterschiedlicher Gesinnung waren. Irgendwann ist mir dann aufgefallen, dass unsere Vögel ausgesprochene Feinschmecker sein müssen, denn unter dem  Vogelhäuschen lag eine dicke Schicht rundlicher Getreidekörner, die regelmäßig von den Vögeln herausbefördert und von allen Arten einheitlich verächtlich verschmäht wurden. »Macht nichts, die kann ich im Frühjahr einfach wegharken ...«, habe ich mir damals ahnungslos gedacht und auch noch den Rest des Schnäppchenfutters verteilt. 

Als es im Frühjahr dann endlich wärmer wurde, hatte sich das heruntergefallene Futter zu einer dicken, pampigen Schicht verklumpt und alle – ich meine wirklich alle! –  heruntergefallenen Weizen-, Kohl- und alle möglichen anderen Körner, die irgendwo in meinem Vorgarten gelandet waren, begannen zu keimen. Nicht ein einziges Weizenkorn konnte ich einfach so wegharken, sondern musste stellenweise eine 10 Zentimeter dicke Körner-Keimschicht mühevoll und fluchend zwischen meinen Stauden und Rosen herauspulen. Ich hatte zwar schon einmal gelesen, wie unglaublich gesund Weizenkeime und vor allem Weizengras sein sollen, aber nie zuvor habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was für tiefe und kräftige Wurzeln so eine Weizenpflanze entwickeln kann. Außerdem schießt jeder abgerissene Trieb wieder aus und wächst einfach munter weiter. Wie viele mühselige Stunden ich in meinem Staudenbeet verbracht habe, um die lästigen Keimlinge zu entfernen, weiß ich nicht mehr genau. Noch heute tauchen irgendwo plötzlich wieder welche in meinen Beeten auf.

Und die Moral von der Geschichte? Selbst schuld! Billiges Vogelfutter zu kaufen, ist genauso wenig ratsam, wie billige Blumenerde zu verwenden. Das Unkraut, das man bekommt, ist zwar ein anderes, aber die Arbeit, die man sich einhandelt, genauso unnötig. Mein Vorsatz für dieses Jahr: Ich werde nur Meisenknödel und Sonnenblumenkerne als Vogelfutter kaufen. Und träumen. Von einem Vorgarten voller Sonnenblumen.
Den hätte ich nämlich sehr gerne.