Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 7

06. März 2018, Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Die nächsten Wochen sind für uns Hobbygärtner die schönsten, spannendsten, hoffnungsvollsten und arbeitsreichsten des ganzen Jahres. Nach den zurückliegenden dunklen, kalten und vor allem zermürbend nassen Monaten muss es jetzt doch endlich mal besser werden! Ich gestehe, ich kann es kaum aushalten, wenn mir das Wetter wieder meine Gartenpläne zunichtemacht. Heute aber ist es endlich mal trocken, sogar die Sonne lässt sich blicken und ich muss unbedingt in den Garten, um meine Gräser umzupflanzen und zu teilen. Am Vortag habe ich das ganze Haus geputzt, Berge von Wäsche erledigt, eingekauft, tonnenweise Gemüse geschnippelt und einen großen Topf Eintopf gekocht, um heute den ganzen Tag im Garten herumwühlen zu können, und was passiert? Es ist eisig kalt, ein beißender Ostwind pfeift ums Haus. Und als ich dick angezogen mit einem Becher Kaffee durch den Garten stapfe, um mir im ersten Morgengrauen schon einmal genau anzusehen, wo ich gleich loslegen möchte, fängt es natürlich an zu regnen! Wie gemein unser Wetter zu uns Gärtnern und vor allem den Landwirten sein kann. 

Egal, heute will ich einfach nur raus und buddeln. Also wieder ins Haus, Gummistiefel und Regenjacke an und dann erst einmal in den rettenden Folientunnel im Garten. Hier ist, wie immer um diese Jahreszeit, alles überfüllt mit überwinterten Schätzen und unzähligen Kisten mit Sämlingen und Ablegern, die mit mir gemeinsam auf wärmeres Wetter warten. Seit den letzten sintflutartigen Regengüssen steht in diesem Tunnel ein Stuhl, damit ich meine Beete geschützt und in Ruhe von dort aus betrachten kann. Und was ich um diese Jahreszeit alles bestaunen kann: Christ- und Lenzrosen, Helleborus in vielen Variationen, dazu Narzissen, Tulpen, Scillas und Hundszahnlilien, Anemonen, Schlüsselblumen, Lungenkraut, Leberblümchen, Hyazinthen, Forsythien und Buschwindröschen. Einige Amseln hüpfen in den Beeten herum und ein Zaunkönig kontrolliert vorsichtig den hinteren Bereich des Folientunnels. Eigentlich gar nicht so schlimm, einfach einmal herumzusitzen und nur zu schauen, die Stille zu genießen und beim Betrachten der Beete vor sich hin zu träumen. Bald kommen die Funkien, dann die Akelei, die Maiglöckchen. Ach, und wenn erst die Rosen blühen ... Ständig bin ich um diese Jahreszeit besorgt, dass ich eine erste Blüte oder ein neues Blatt verpassen könnte. Erst warte ich wochenlang auf Blühendes und dann auf einmal wächst alles so schnell, dass ich gar nicht jedes Ereignis mitbekomme. 

Der Regen legt eine Pause ein. Frohen Mutes beginne ich meine Gräser auszugraben, schneide die Wurzelballen mit einem alten Brotmesser durch, was einfacher geht als mit dem Spaten. Dann pflanze ich sie wieder ein und verteile noch ein bisschen Kompost. Unzählige Blumenzwiebeln müssen vorsichtig aus den Wurzelballen der Gräser herausgepult und umgesetzt werden. Wie kommen die bloß dahin? Während ich mir die letzten Gräser auf meine Schubkarre lade, um sie im Vorgarten einzusetzen, beginnt es zu hageln. Na toll! Den Vorgarten habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, weil ich nicht von Nachbarn und Spaziergängern darauf aufmerksam gemacht werden wollte, dass heute kein Gartenwetter ist. Klitschnass, ziemlich schmutzig und verfroren setze ich meine Ziergräser in die schon im Herbst gegrabenen und mit Plastiktöpfen gekennzeichneten Löcher und gieße sie an, als mein Mann grinsend aus dem Auto steigt. »Du bist auch nicht mehr zu retten!« Ich grinse nur zurück und schaffe es noch mit letzter Kraft, meine Schubkarre und das Gartenwerkzeug in den Schuppen zu bringen. Dann wanke ich nass, fast erfroren, aber glücklich ins Haus. Voller Vorfreude auf den Herbst und neugierig, wie meine Gräser in den neu gestalteten Beeten aussehen werden.