Mein Landleben - Folge 13: Der Erlebnisgarten

04. März 2014, Harriet Heise - Mein Landleben, Harriet Heise

 

Eine kleine Wiese mit Apfelbäumen, ein buchsgesäumter Stauden- und Gemüsegarten und viele historische Rosen in Töpfen – an sich ist mein Garten ganz hübsch. Nun lebe ich aber nicht allein. Und so gibt es einige Ecken, die mich nicht wirklich glücklich machen.

Mittig auf dem Rasen stehen gleich drei Trampoline hintereinander. Warum gleich drei – fragen Sie sich – übertreibt die Familie nicht etwas? Ich hatte keinen Einfluss darauf. Meine Kinder springen leidenschaftlich gern darauf, beherrschen mittlerweile Salto vorwärts und rückwärts, mit und ohne Schraube. Angefangen haben sie mit einem ganz kleinen Trampolin, dann musste ein größeres her und vergangenes Jahr zum Geburtstag gab es dann die Premium-Ausführung. Aber es durfte um Himmels Willen nicht ein altes entsorgt werden, denn am meisten Spaß macht es, wenn die Teile in einer Reihe stehen und immer hin und her gewechselt wird. Aus Kindersicht nachzuvollziehen – aber leider sieht es daher auf unserem Rasen aus wie in einem zweitklassigen Vergnügungspark.

Noch schlimmer wird das im Sommer: Dann wird neben meinen schönen Holz-Gartenstühlen eine mehrere Meter lange Wasserrutsche aufgebaut. Leider gibt es so etwas nicht in gedeckten Farben – unsere ist gelb-orange-blau mit signalroten Fahnen am Ende der Bahn. Den Designer dieser Rutsche müsste man eigentlich verklagen – so hässlich ist sie. Und das gilt auch für denjenigen, der unser Aufblas-Schwimmbecken entworfen hat: Ich wusste gar nicht, dass es so viele scheußliche Blau-Töne gibt. Auf der Verpackung sah das Becken aus, als wäre es von allen angebotenen das dezenteste. Spätestens, wenn all diese Plastik-Teile an warmen Sommertagen aufgepustet und aufgebaut da stehen, ist der Eindruck eines gepflegten Bauerngartens dahin.

Aber was mich stört, macht andere glücklich: Neulich sagte ein Freund meines älteren Sohnes zu mir: „Einen schönen Garten haben Sie. Da stören die Pflanzen nicht so beim Spielen.“ Alles eine Frage der Sichtweise.

Ganz nebenbei scheinen Laufenten recht vergnügungssüchtig zu sein. Wenn die Kinder abends den Garten verlassen haben, gehen die oft auf die Rutsche. Anscheinend lieben sie den nassen Plastikuntergrund. Sie watscheln und glitschen hin und her – sehr lustig anzusehen.

Und dann hat der Hund noch eine Angewohnheit, die den Garten nicht nur optisch leiden lässt: Er gräbt leidenschaftlich gern Maulwurfshaufen auf. Und da er ein großer und kräftiger Hund ist, werden die Löcher beeindruckend groß. Wenn wir ihn nicht rechtzeitig entdecken, schafft er Gruben, in denen ein mittelgroßer Mensch bis zum Knie verschwindet. Und das kann durchaus mal gefährlich werden. Da es uns nicht immer schnell gelingt, die Löcher wieder zuzuschaufeln, hat mein Mann sich angewöhnt, sie mit Rosenstäben zu markieren. Damit niemand aus Versehen in so ein Loch fällt. Sinnvoll, sieht aber eigenwillig aus. Aber es hat die Kinder zu einem neuen Spiel inspiriert – Fußball-Golf.

Alles in allem geht es in meinem Garten nicht ganz so stilvoll zu wie ich es mir wünschen würde. Dafür ist eine Menge Leben drin – neulich kam mein jüngerer Sohn aus der Schule und erklärte vergnügt: „Unser nächstes Klassenfest feiern wir bei uns im Garten. Ich habe erzählt, wie schön man da spielen kann und jetzt wollen alle kommen. Kannst Du auch Pizza für uns machen? Wir sind 30?“

Aber selbstverständlich. Willkommen im bunten Erlebnisgarten Heise.