Mein Landleben – Folge 32: Zwischen Garten und Garage

04. Juli 2017, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

In dieser LandGang Ausgabe können Sie meinen Garten sehen. Und vielleicht denken Sie: Das sieht ja ganz ordentlich aus bei der Frau Heise. Dann muss ich Ihnen gestehen, dass Sie sehr froh sein können, dass auf keinem der Bilder unsere Garage zu sehen ist.

Nicht, weil das ein hässliches Gebäude wäre – nein, keineswegs. Aber in der Garage herrscht das reine Chaos. Es sieht aus, als hätten mehrere Männer gerade an verschiedenen Dingen gearbeitet und dann plötzlich aufgrund einer unvorhersehbaren Naturkatastrophe alles stehen und liegen lassen müssen, um sofort die Flucht zu ergreifen. Da liegen Getriebeteile, Werkzeuge, Gummiringe, einzelne Räder in unterschiedlichen Größen, Planen, Schraubzwingen, Ölwannen, Kanister, Dichtungen, Schrauben und vieles mehr verteilt über mehrere Tische und den Boden. Dazwischen Zeitungen zum Abdecken, Holzklötze zum Drunterlegen und Lappen zum Abwischen. Sie können es sich sicher vorstellen ­– eine sehr unübersichtliche und auch unattraktive Bastel-Ursuppe. Angerichtet von meinen drei Männern im Haus.

Nun mag ich es gern etwas aufgeräumter. Also habe ich selbstverständlich versucht, etwas Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Aber das hätte ich besser nicht tun sollen. Denn von da an war ich verantwortlich für alles, was nicht sofort auffindbar war. „Wo sind mein Maulschlüssel?“ „Was hast Du mit den Bautenzügen gemacht?“ „Ich finde den Kupplungskorb nicht wieder!“ „Hast Du etwa die Dichtungsringe für mein Mofa weggeworfen?“ Fragen über Fragen. Für die ich keine vernünftigen Antworten hatte. Denn genau genommen habe ich keine Ahnung, wie ein Kupplungskorb aussieht und ob die schmierigen schwarzen Dinger Dichtungsringe waren. Ich habe das alles einfach nur möglichst übersichtlich in ein Regal sortiert. (Und wirklich nur ganz wenig weggeworfen ...) Kam aber nicht gut an.

Also muss ich darauf bauen, dass die Verantwortlichen selbst aufräumen. Aber das ist natürlich schwierig. Denn diskutieren Sie mal mit pubertierenden Jungs über anstehende Aufgaben. Grundsätzlich ist mein ältester Sohn über Wochen in der Lage, das Gespräch mit nur drei Satz-Fragmenten zu bestreiten. „Weiß nicht“, „egal“ und „passt schon“. Keine gute Grundlage für ein klärendes Gespräch zur Garagen-Situation.

Mein Mann ist da wesentlich eloquenter und zugänglicher. Er hat aber auch immer gute Erklärungen, warum er es jetzt gerade nicht schafft aufzuräumen. Irgendetwas Wichtiges muss jedes Mal abgewartet werden. Beginn der Segelsaison, Aufladen der Batterie, Endanstrich für den Bootsrumpf – dann ließe es sich angeblich leichter aufräumen. Aber nach dem einen Ereignis scheint immer vor dem nächsten zu sein. Da wird zwar zwischendurch manches ein bisschen hin und her geschoben – der eigentliche Techniksumpf in der Garage bleibt dabei aber recht unverändert.

Und so habe ich meinen Gestaltungswillen eben in den Garten verlegt. Da kommen mir meine Männer auch nur sehr selten in die Quere. Denn meistens haben sie ja irgendetwas Wichtiges in der Garage zu tun.