Mein Landleben – Folge 35: Ente mit Zugabe

09. Januar 2018, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

Vom Zwerghamster bis zum Jagdhund – wie Sie mittlerweile wissen, leben eine ganze Menge Tiere bei uns. Und vergangenen Monat sind noch einmal zwei dazu gekommen.

Die Tierhilfe hier bei uns im Ort wird aufgelöst. Und alle Tiere, die da noch leben, suchen ein neues Zuhause. In der Zeitung war dann eine kecke kleine Ente zu sehen. Weiß mit einem schwarzen Fleck auf dem Kopf. Meine Kinder haben sie gesehen und sofort vehement dafür gekämpft, dass sie zu uns kommen darf. Eine Ente mehr oder weniger auf dem Teich macht keinen Unterschied, dachte ich und habe angeboten, sie zu uns zu nehmen. Da hatte ich aber nicht mit der resoluten Leiterin der Tierhilfe gerechnet. Ja, die Ente könnte ich haben. Aber viel wichtiger sei ihr, dass der einzige Schwan, den sie noch hat, irgendwo unterkommt. Unser Teich wäre doch groß, und einen Schwan hätten wir schon und sie würde Ente und Schwan auch völlig unkompliziert morgen vorbeibringen. Ich müsste nur noch schnell sagen, wann es mir am besten passt.

Und seitdem wohnt Baptist bei uns. Für den Namen des neuen Schwans bin ich nicht verantwortlich, den haben sich meine Jungs ausgedacht. Sie haben sich aus einer Vornamen-Liste den herausgesucht, über den sie am meisten lachen mussten. Und immer wenn das arme Tier erwähnt wird, gucken sich meine Söhne an und prusten los. Nun muss man sagen, dass der Schwan dem großen Namen auch nicht so richtig gerecht wird. Baptist ist mit Abstand der unattraktivste Schwan, den Sie jemals gesehen haben. Immer dreckig, statt glatter Federn zerzauste Federkiele am Körper; zudem ist er ausnehmend schlecht zu Fuß und fällt regelmäßig um. Er wirkt aber zufrieden mit sich und der Welt, isst gut und gern und wankt wie eine zerrupfte und angeschossene Riesengans durch unseren Garten. Damit ist er deutlich auffälliger als die kleine niedliche Ente, deren Zugabe er ja eigentlich nur ist. Leider hat Baptist auch die unangenehme Eigenschaft, sofort auf jeden Menschen zuzuschwanken, der unseren Garten betritt – immer auf der Suche nach Essbarem. Sensible Gäste ohne große Tier-Erfahrung flüchten, seit Baptist bei uns wohnt, meist wieder schnell ins Haus.

Meine Kinder haben neulich gelesen, dass bei der Tierhilfe auch noch zwei Laufenten abzuholen sind. Aber die nehme ich definitiv nicht. Ich habe ein bisschen Angst vor dem, was man da noch als Zugabe bekommt ... Mein Bedarf an schrägen Vögeln ist gedeckt.