Mein Landleben – Folge 37: Der Chef im Haus

08. Mai 2018, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

Wenn ich zum Tierarzt fahre, dann habe ich immer so viele Tiere wie möglich mit. Denn als berufstätige Mutter mit zwei Jungs und einem Resthof ist ein straffes Zeitmanagement sehr wichtig.

Deshalb sage ich dem Tierarzt auch jedes Mal kurz, welches Wesen ich ihm da gerade auf den Tisch setze. Klar, bei all den Meerschweinchen, Kaninchen, Katzen und sogar Hühnern, die ich im Laufe der Zeit dort angeschleppt habe, ist es für ihn schwer, den Überblick zu behalten. 

Vor ein paar Wochen habe ich unseren Kater Fritz aus dem Katzenkorb gezogen und gesagt: »Hier kommt der Chef im Haus.« – »Ach, weiß dein Mann das?« kam als Antwort. Aber tatsächlich ist der kleine Kater Fritz eine sehr dominante Persönlichkeit, die sicher am besten von uns allen im Haus weiß, wie man seinen eigenen Willen durchsetzt. Das beginnt damit, dass diese durchaus schmale Drei-Kilo-Katze eine so laute und durchdringende Stimme hat, dass man sie eigentlich nur in Vollnarkose überhören könnte. Und wenn Fritz im Auto im Katzenkorb sitzt – weil er eben zum Tierarzt muss – dann können Sie das Radio auf volle Lautstärke stellen, Sie würden kein Lied erkennen und kein Wort verstehen. Er alleine klingt wie eine zehnköpfige Gruppe altgriechischer Klageweiber. Denn er hasst Autofahren. Auch zu Hause mag er es nicht, wenn man seine Bedürfnisse nicht ernst nimmt. Ganz oft denken Gesprächspartner am Telefon, dass ein Baby direkt neben mir schreien würde. Dabei ist es nur Fritz, der mir irgendetwas Wichtiges sagen will. 

Mein junger Hund Hubert, der ja wirklich ein imposantes Tier ist, hat auch großen Respekt vor Fritz. Wenn der Kater schlechte Laune hat, dann geht der Hund geduckt durchs Haus. Und wenn Fritz in seinem Korb sitzt, legt er sich ohne zu murren daneben. Andernfalls bekäme er richtig Ärger. Ich habe Hubert schon mit eingezogenem Schwanz vor dem Kater weglaufen sehen. 

Dazu muss man sagen, dass Fritz durchaus eigenwillig aussieht. Eigentlich mal als elegante Rassekatze gekauft, hat er sich gleich bei einem Kampf mit der Nachbarskatze – den er selbstverständlich gewonnen hat – das rechte Ohr schlitzen lassen. Zudem schielt er ordentlich; das ist uns beim Kauf erst gar nicht aufgefallen. Und mittlerweile wachsen seine Eckzähne erstaunlich lang, sodass er aussieht wie ein Katzenvampir. Bei jeder Rassekatzenschau würden die Preisrichter sich vor Lachen krümmen,

 

Aber da er das nicht weiß, tritt er sehr selbstbewusst auf. Auch Gästen und Fremden gegenüber. Jemand, der neulich zum ersten Mal bei uns war, sagte über Fritz: »Das ist ja ein lustiger kleiner Hund.« Zugegeben, der Mann war etwas kurzsichtig. Aber Fritz ist nun mal mehr als nur eine kleine Katze. Eben der Chef im Haus.