Mein Landleben – Folge 40: Auf ein letztes Wort ...

06. November 2018, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

Ich gebe es ehrlich zu: Meine letzte Kolumne konnte nur aufgrund eines hart ausgehandelten Deals entstehen: Mein jüngerer Sohn hat mir erlaubt, ihn in dem Text zum Thema zu machen. Dafür durfte er sein Zimmer eine Woche später als geplant aufräumen und es gab zum Mittagessen Fast Food – was tut man nicht alles, wenn der Abgabetermin immer näher rückt ...

 

Seit sechs Jahren erzähle ich Ihnen jetzt schon von meinem Landleben. Sie kennen meinen Garten, meine kleinen Alltagssorgen und auch die meisten meiner Tiere. Vorenthalten habe ich Ihnen da eigentlich nur vier weiße Landenten mit Haube, die sich wie ganz normale Enten benehmen. Und meinen sehr scheuen Kater Alfred. Der ist eine Art Geisterkater, der sich Außenstehenden nie zeigt. Sobald irgendjemand unser Haus betritt, drückt er sich unsichtbar in eine Ecke oder rennt nach draußen. Erst wenn der Besuch schon Stunden zu Hause ist, kommt er langsam und vorsichtig wieder zum Vorschein. Selbst meine Eltern haben ihn noch nie gesehen. Ich könnte seine Existenz nur mit Fotos oder eidesstattlichen Aussagen meiner Kernfamilie beweisen. Also kein Tier, über das sich viel schreiben lässt. Entweder ist Alfred weg oder er schläft. 

Dafür bekomme ich mittlerweile regelmäßig Vorschläge, was doch mal Thema meiner Kolumne sein könnte. Das reicht vom Postboten, der immer so spät kommt, bis zu den Kranichen, die in der Balzzeit laut auf der Wiese schreien. »Schöne Idee«, antworte ich dann immer. Denn es ist nicht sinnvoll, ausführlich zu erklären, warum man mit einem Postboten oder zwei Kranichen nur schwer eine ganze Seite füllen kann. Und während mir auf der einen Seite immer wieder Themen angeboten werden (»Schreib doch mal über mich und mein neues Fahrrad« – das war auch ernsthaft dabei), ist auf der anderen Seite meine gesamte Nachbarschaft inzwischen ein bisschen vorsichtig im Umgang mit mir: »Nicht, dass Sie darüber in dem nächsten LandGang schreiben!« Und meine Kinder haben mir schon vor einiger Zeit verboten, sie auftauchen zu lassen. »Mama, das ist total peinlich!«, heißt es dann sofort. Für den letzten Text musste ich wirklich hart kämpfen. Sie sehen also, es wird immer schwieriger, Ihnen etwas Neues und Unterhaltsames zu erzählen. Deshalb lesen Sie hier meine letzte Kolumne für den LandGang. 

Aber mir ist es sehr wichtig, mich bei Ihnen zu bedanken. Viele von Ihnen haben mich immer mal wieder angesprochen. Auf dem Markt, beim Sport oder beim Spazierengehen. Danke für die vergnüglichen Gespräche über Kinder, Hunde und Hühner. Und danke auch für die Briefe und Mails, die ich von Ihnen bekommen habe. Es hat mir viel Spaß gemacht, für Sie zu schreiben. Verabschieden möchte ich mich von Ihnen mit einem meiner Lieblingszitate von dem Dichter Hans Christian Andersen. Der schrieb in einem seiner Märchen Folgendes:  »Leben ist nicht genug«, sagte der Schmetterling. »Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu!« In diesem Sinne fühlen Sie sich bitte symbolisch von mir mit einer der letzten Rosen des Jahres aus meinem Garten beschenkt.