Kolumne Ines Barber - Frisch un free (Folge 3)

07. Mai 2019, Ines Barber,

 

07. Mai 2019, Kolumne

Plattdeutsch

Een (Alb)-Droom an' Strand       

De Eersten packt sik al an' Strand. Echt jetzt. 

Un al sünd se Nullkommanix schöön brun. Verdammig. Ik nich. Modder Natur hett mi een fiene Teint in witt mit de Optschion op 10.000 Summersprütten un' garanteerte Sünnbrand mit oppe Reis geven. Nützt nix, is so. As Studentin in Kiel, dor mutt ik jümmers an dinken krabbelt de Sünn höger un höger, as Studentin in Kiel dormols wull ik dat mol dwingen*. An FKK-Strand bi Schwedeneck. Dor hebbt sik dormols jümmers mien Frünnen henpackt, un ik wull dor mit. Ok schöön brun warrn. Ründüm. Richtig rundüm! Na, sekerheitshalver harr ik liekers deep in mien Strandtasch een riesiget, buntet, lichtet Dook* inpackt.

Dat leep so mit de Studentin Barber dormols an FKK-Strand: Uttrecken, allns örnlich wegpacken, denn kommodig incremen un maximal fief Minuten still rümleggen, nomol hibbelig* incremen, twee Minuten sünnen, nee, denn doch lever fix afköhlen un mit Juchuuuuu-Gebrüll rin inne Ostsee.

Achterran eewig rümtüdeln bit ik wedder dröög weer, denn wedder düchtig incremen … maximal fief Minuten inne Sünn … hibbelig incremen … un so wieder. Toletzt heff ik mien Tasch rankregen un denn doch lever dat riesige, bunte, lichte Dook över mien Alabasterkörper packt. Meist nahtlos afdeckt. De Sünn pier* al örnlich op miene Huut. Üm mi rüm weern se al nakelt un fröhlich, ik leeg muksch* ünnern Stoff.

Bit een achtertücksch Wind kott opbries un mien Dook hochweih, ik achterran jump, in' Sand stulper, de Nawers ok noch wat afkregen un so de heele Prodzedur vun vörn inne Gang keem. Dat se mi dormols nich grepen un sünstwo insparrt hebbt! Eenmol un nie nich wedder. Sümmersprütten krigg ik liekers. De finnt ehrn Weg. So as ik mien Weg mit de Sünn funnen heff. Schöön suutje. 

Hochdeutsch

Am falschen Ort

Die Ersten liegen doch tatsächlich schon am Strand. Und alle sind in Nullkommanix schön braun. Ich nicht. Mutter Natur hat mir einen zarten, hellen Teint mit der Option auf 10.000 Sommersprossen und garantiertem Sonnenbrand mitgegeben. Wenn die Sonne höher steigt, muss ich immer an meine Studentinnenzeit in Kiel denken. Da habe ich das Schicksal im Sommer richtig herausgefordert. Am FKK-Strand bei Schwedeneck. Dort sonnte sich damals meine Clique. Und ich wollte mit, natürlich auch nahtlos braun werden. Aber, als hätte ich es geahnt, packte ich dennoch ein riesiges, buntes, leichtes Tuch mit in meine Strandtasche. Das lief damals so mit der Studentin Barber am FKK-Strand: Ausziehen, alles ordentlich wegpacken, gut eincremen und dann maximal fünf Minuten stillliegen, nochmal eincremen, zwei Minuten sonnen, nee, doch lieber fix abkühlen und mit »Juchu« hinein in die Ostsee.

Anschließend tüdelte ich ewig beim Abtrocknen rum, dann eincremen, dann maximal fünf Minuten sonnen, hibbelig sicherheitshalber nochmal eincremen … und so weiter. Zum Schluss zerrte ich das Tuch raus und legte dieses riesige, bunte, leichte Notfalltuch über meinen Alabasterkörper. Die Sonnenstrahlen pieksten auf meiner Haut. Alle anderen jungen Leute lagen nackt und entspannt am Strand, aber ich kochte derweil fast nahtlos unter Stoff.

Bis auf einmal eine grandiose Windböe mein Tuch in die Lüfte hob, ich sofort hektisch hinterher stolperte, die Nachbarn noch mit feinstem Sand versorgte und so die ganze Prozedur von vorne lostrat. Also, dass man mich damals nicht gepackt und sonstwo »verbuddelt« hat! Nie wieder. Die Sommersprossen finden dennoch ihren Weg, so wie ich meinen mit der Sonne auch längst gefunden habe. Schön vorsichtig.