Kolumne Ines Barber - Frisch un free (Folge 4)

02. Juli 2019, Ines Barber,

 

Plattdeutsch

Locker laten      

Een feine Wind weiht meist in Schleswig-Holsteen, ok mol een örnliche Wind.

Ik finn dat schön. Mien Frisör nich. He sorgt sik üm mien Frisur. De Mann is .vertüügt: »Toupeern kümmt wedder!« Also, düsse speziell Technik, wenn se di de Frisur so'n beten opplustert. Tricksen. Dien Hoor hochtreckt un mit'n fiese lange Spezialkamm trakteert. Denn wart dat Wark vörsichtig in Form kämmt un achterran erstickt se di meist in so een Chemiewulk ut Hoorspray in »XXXL-Beton«.

Schall jo allns den heelen Dag in Form blieven, seggt mien Frisör. Aha. In Schleswig-Holsteen? In »Windland«? Ik heff mi eenmol belatschern laten. Katastroph. Eenmol bün ik mit sowat hen na de Arbeit, hen na Kiel toon NDR. Echt, de Frisör harr sik bös in't Tüüg leggt. Un dat seeg* ok schick ut, so'n lässige, mittellange Wuschelkopp, liekers, de Fülle, de hett blots düsse greesig Prozedur mit Toupeern un Betonspray bröcht. Stell di vör, ik sweev also mit mien Pariser Frisur rin in't Gebüüd, wink noch elegant kott hen na'n Portier, dor föhl ik op eenmol so'n Kribbeln op'n Kopp, merrn mang mien Hoor. Uuuuääääh! Wat is dat??? Un denn summt dat ok al luud. In düt Kaschott* ut Frisur un Spray harr sik een grotes Insekt verheddert, keem nich wedder rut. Een Imm*? Een Wöps*? Ik weer forts in Panik: »Helfen Sie mir, schnell, oh bitte, ich hab' ne Biene im Kopf! Äh, Frisur, egal – schaun Sie mal?« Sünst harrn de Portier un ik bitherto blots »Moin« un »Tschüss« wesselt. Nu schull he direktemang ran anne Fro. De arme Mann keek denn ok verbaast*, man he luscher vörsichtig. Nix. Dat Beest harr sik fix sülvst meernmang mien Gehampel vun alleen de Freeheit wedder schinkt.

Boah, Lüüd: Ni nich wedder koomt Toupeerkamm un Beton in Dosen an mien Hoorn. Is beter för de Luft, beter för de Insekten un beter för miene Nerven. Wi leevt nu mol in Windland, dat mutt ok mien Putzbüdel* begriepen!

 

 

Hochdeutsch

Windsbraut 

Ein leichter Wind weht ja meistens in Schleswig-Holstein. Manchmal auch ein etwas heftigerer.

Ich finde das wunderbar. Mein Friseur nicht. Er sorgt sich um meine Frisur. Der Mann ist davon überzeugt: »Das Toupieren ist wieder in!« Also, diese spezielle Technik, wenn einem die Frisur so aufgebauscht, optisch getrickst wird. Dein Haar wird langgezogen und mit diesem fiesen langstieligen Toupierkamm traktiert. Dann wird das Werk vorsichtig in Form gekämmt, und hinterher erstickt man fast in einer Chemiewolke aus Haarspray der Stärke »extra strong«. Soll ja schließlich den ganzen Tag halten, sagt mein Friseur. Aha. Hier in Schleswig-Holstein? In »Windland«? Einmal habe ich mich überreden lassen. Nie wieder.

Da habe ich derart toupiert und betoniert den Sender aufgesucht. Mann, was hatte sich der Friseur ins Zeug gelegt! Okay, das sah auch durchaus schick aus, lässig, wuschelig. Dennoch, die optische Fülle war nur Trickserei mit Kamm und Spray. Bitte stellen Sie sich das vor: Ich schwebe mit meiner neuen Frisur gen NDR, winke noch fix dem Portier elegant zu, da fühle ich plötzlich auf meinem Kopf so ein Gekrabbel im Haar. Igitt! Was ist das?? Und da summt und brummt es auch schon laut. In diese haarige Falle aus Frisur und Spray hatte sich ein größeres Insekt verfangen. Und es wollte so schnell wie möglich da wieder raus. Eine Biene? Eine Wespe? In Panik schrie ich: »Zu Hilfe, bitte – helfen Sie schnell, gucken Sie mal, ich hab' eine Biene oder so etwas auf dem Kopf!« Bisher hatten der Portier und ich nur »Moin« und »Tschüss« gewechselt.

Nun sollte der arme, etwas erschrockene Mann direkt ran an die Frau. Vorsichtig inspizierte er meinen Kopf. Aber das Biest hatte sich nun doch schon während meines Herumgehampels selbst wieder befreit. Boah, Leute: Nie wieder kommen Toupierkamm und »Beton in Dosen« an mein Haar. Das ist besser für die Luft, besser für die Insekten und besser für meine Nerven. Wir leben nun mal in »Windland «, das muss auch mein Friseur begreifen.