Fragen Sie Langley - Folge 12

01. Juli 2016, Fragen Sie Langley,

 

Gartenbotschafter John Langley, der Mann mit dem grünen Daumen und dem typisch englischen Humor, beantwortet in LandGang Ihre Gartenfragen.

Wir haben ein großes Oleander-Problem. Vor 10 Jahren haben wir einen blühenden Oleanderstrauch in Brandenburg gekauft. Seit dem Kauf hat er immer jedes Jahr Knospen angesetzt, aber noch nie geblüht, obwohl er mit speziellem Oleanderdünger versorgt wurde. Was machen wir falsch?

Inka und Ulli Langner, Berlin

Selbstverständlich gibt es für den gestressten Oleander noch einen blühenden Auftritt. Der Oleander lässt sich klimatisch nicht so problemlos anpassen oder gar umstellen. Ist der Sommer gut (der Sommer fängt kalendarisch erst am 21. Juni an), wird bei einem richtigen Standort, reichlicher Düngung und der richtigen Bewässerung auch das sensible, oleanderische Lebewesen wieder zum blühenden Prachtexemplar. Sollte der Sommer nass und kalt sein, nützen sämtliche blütenunterstürzenden Maßnahmen wie Licht, Sonne, Dünger, Wasser, Liebe und aufmerksame Menschen wenig oder nichts. Dann blüht der Oleander nur ausdauernd unter Glas, das heißt im Wintergarten, Gewächshaus oder in der unmittelbaren Nähe eines Fensters.

Stress, verkehrte Nässe oder dauernde Trockenheit sorgen schnell für den Abwurf der Knospen oder Blüten. Dazu kommt noch – und das wissen leider auch nur wenige Pflanzenliebhaber – dass der Oleander entsprechend seines Heimatstandortes in mediterranen Flusstälern ein kalkhaltiges Substrat (Erde, Boden) bevorzugt. Deshalb die Pflanze bitte nicht mit Regenwasser gießen. Je härter (kalkhaltiger) das Leitungswasser, desto besser für die Pflanze. Der Oleander ist eine der wenigen Pflanzen, die eigentlich einen ständig „nassen Fuß“ – also Wasser im Untersetzer – liebt. Natürlich muss in diesem Zusammenhang immer auf die Temperatur geachtet werden. Deutliche Kälte bedeutet weniger oder kein Fußbad.

Wohlgemerkt nur im Sommer, im Winter, bei kühlem Standort, gießt man entsprechend der alten Gärtner- und Gärtnerinnenfaustregel erst dann, wenn sich die Erde vom Topfrand löst.

Zusammengefasst: Oleander will wie folgt behandelt werden: Ab Ende April, nach einer gewissen Eingewöhnungszeit im Schatten, im Garten vollsonnig und warm aufstellen. Reichlich gießen und düngen. Ab und zu kalken. Verblühtes im Herbst nicht herausschneiden, gelegentlich blüht Oleander im Frühjahr an den vorjährigen Blütenständen nach. Im Herbst lange im Freien lassen. Oleander verträgt, wenn er abgehärtet ist, Frost bis etwa - 6 bis - 9 °C. Überwinterung hell, luftig und kalt (0 bis + 10 °C). Je wärmer die Überwinterung, um so weniger Blüten. Im Winter nur leicht feucht halten, aber niemals völlig austrocknen lassen. Eventuell während milder Witterung vorübergehend wieder an geschützter Stelle ins Freie stellen. Schnitt wenn nötig im Frühjahr, dann gibt es an den beschnittenen Trieben im gleichen Jahr allerdings keine Blüte.

 


Ich habe einen Blauregen, der schon sehr, sehr alt ist, aber noch nie geblüht hat. Ein oder zwei Blüten kommen schon mal dran, damit ich die hellblaue Farbe erkenne, aber sonst nur viel zu viel „Grünes“.

Erika Masuch, Rendsburg

Die beliebte blaue chinesische Glyzine (Wisteria sinensis) wird aufgrund ihrer auffälligen blau-violetten Blüten auch Blauregen genannt und gehört zu der Familie der Schmetterlingsblütler. Die Pflanzen brauchen einen feuchten, durchlässigen und humus- und nährstoffreichen Boden an einem vollsonnigen Platz. Ich denke, dass wird bei Ihnen am Standort genau zutreffen. Die Gründe für ein Ausbleiben der Blüte können bei Ihrer Wisteria verschiedene Ursachen haben. Die starkwüchsigen Kletterpflanzen (bis 10 m Pflanzenlänge) hätten bereits nach der Pflanzung bis auf nur wenige Augen stark zurückgeschnitten werden müssen. Nur so zeigen sich bereits nach zwei bis drei Jahren Blüten. Ohne Rückschnitt dauert alles mehrere Jahre länger.

Wurde der Blauregen zwischenzeitlich geschnitten? Wenn ja, dann könnte es leider auch Blüh-Probleme durch falschen Rückschnitt geben. Wer da schnell zur Schere greift, könnte im Eifer der Aktion unbewusst blütenbildenden Triebe kurzerhand entfernt haben. Auch unerwarteter starker Frost kann zum Blüh-Frust führen. Grundsätzlich blüht Wisteria immer am mehrjährigen Holz.

TIPP: Beim Rückschnitt keine Maßnahmen an jungen oder einjährigen Trieben durchführen, sondern bei Bedarf eher auf Leittriebe bis ins mehrjährige Holz auslichten. Wisteria verträgt zur Verjüngung auch einen starken Rückschnitt auf 40 bis 50 cm. Im Regelfall tritt die gewünschte üppige Blütenpracht erst im 4. bis 5. Jahr nach der Pflanzung ein. Möglicherweise steht auch eine japanische Glyzine in Ihrem Garten, sie ist schwächer wachsend (erreicht nur 5 m Pflanzenlänge) und blüht meist erst nach 10 Jahren.