Fragen Sie Langley - Folge 3

04. Februar 2015, Fragen Sie Langley,

 

Gartenbotschafter John Langley, der Mann mit dem grünen Daumen und dem typisch englischen Humor, beantwortet in LandGang Ihre Gartenfragen.

Ich wohne in einem Reihenhaus mit kleinem Garten. An meiner Grundstücksgrenze wächst eine Bambusstaude auf dem Nachbargrundstück. Nun gedeiht diese Pflanze so gut, dass sie auch bei mir wachsen will. Zwei Triebe sind schon da, wobei der eine Trieb ziemlich weit entfernt von der Staude bei mir aus der Erde nach oben strebt. Grundsätzlich habe ich nichts gegen diese Pflanze, aber ich möchte sie nicht in meinem Garten haben. Vor längerer Zeit hatte sich schon einmal ein starker Trieb entwickelt, den ich dann selbst entfernt habe. Aber das war für mich ein Kraftakt. Das kann ich mit meinen 68 Jahren beim besten Willen nicht mehr. Was kann ich machen, gibt es eine Möglichkeit?

Ulla Felber-Bartels, Husum

 

Ich habe mir gestern – vom Zaun aus versteht sich – Ihren Garten angesehen. Ein kurzer Blick zum Nachbarn hat mir einen Bambus (Fragesia) an der Grundstücksgrenze gezeigt – ohne eine vorhandene – zuvor eingebaute Wurzelsperre für die Rhizome (Wurzelausläufer) erkannt zu haben. Vermutlich wird diese Pflanze kein horstbildender Bambus sein. Deshalb bildet Fragesia seine lästigen unterirdischen Wurzelausläufer in Ihren Garten aus. Selbst wenn es sich doch um eine Art von Bambus um einen kompakten (horstbildenden) Wurzelraum handelt, ist dieser Bambus (das ist keine justitiable Antwort) eindeutig viel zu dicht am Zaun bzw. an der Grundstücksgrenze gepflanzt worden. Der gepflanzte Bambus benötigt im Laufe der Jahre in jedem Fall einen Wurzelraum von ca. 1 bis 3 Quadratmeter. Mein Tipp für Sie: Die störenden Wurzel-Ausläufer müssen immer wieder abgestochen und somit aus dem eigenem Beet reduziert werden. Was nicht schlecht wäre: Der Nachbar sollte den Bambus umpflanzen oder den Wurzelballen und deren Wurzelausläufer zu Ihrem Grundstück hin mit einer Wurzelschutz-Maßnahme nachhaltig einschränken oder noch besser dauerhaft verhindern.

 

Ich habe auf meiner Terrasse dekorative Kübelpflanzen, die winterhart sind, wie Buchsbaum und Kirschlorbeer. In diesem Jahr bekam ich von einer Freundin einen Japanischen Lavendel geschenkt. Muss ich diese Kübelpflanzen besonders schützen oder reicht es, sie dicht an die Hauswand zu stellen?
Maren Lieberstedt, Rendsburg

Da haben Sie sich einen wirklich winterharten (bis -26°C) und langlebigen Strauch schenken lassen. Die Japanische Lavendelheide Pygmaea kann bei aller Freude über diese Aufmerksamkeit leider auch etwas Stress bereiten. Bei sehr strengen Wintern können einige Triebe zurückfrieren. Deshalb macht es Sinn, vor dem Winter seine Kübelpflanze gut zu begießen. Bei strengem Frost sollte möglichst für einen Wetterschutz gesorgt sein. Der richtige Standort für das Überleben – auch frostharter Pflanzen – ist entscheidend. Dauerhafte Kälte, fehlender Schnee und ein sonniges Wetter – dann wird es oft stressig für das Grün. Bei solchen frostigen klimatischen Bedingungen leiden vor allem Pflanzen an sonnigen Standorten. Wind und direkte Sonnenbestrahlung trocknen die oberirdischen Pflanzenteile regelrecht aus (Transpiration). Die Kälte oder genauer der Frost im gefrorenen Kübelpflanzensubstrat kann die Wurzeln nicht mit Wasser versorgen. Dieser Vorgang des Wassermangels in der Pflanze und in den Wurzeln wird mit dem Begriff „Frosttrocknis“ beschrieben. Dieser Gefahr ist auch Ihr immergrüner Buchsbaum, Kirschlorbeer oder die geschenkte Japanische Lavendelheide ausgesetzt. Sie alle verdunsten bei sonnigem Winterwetter viel Feuchtigkeit über die gesamte Blattfläche. Mein Tipp: Immergrünes, am besten windgeschützt im Schatten abstellen, so ist der Trockenstress weniger möglich. Wer dann noch seine Pflanzen – wie die Profis – mit einer Schilfmatte oder einem luftdurchlässigen Vlies vor Wind und Sonne schützt und alle Immergrünen bei regenarmem Spätherbst und nach Kahlfrostphasen ausgiebig wässert, rettet seine mobile liebgewordene Natur. Und schnell noch ein Tipp, bevor es richtig friert und schneit: Kübel immer so hoch stellen, dass ein oder mehr Zentimeter Zwischenraum zum Untergrund besteht, damit Gieß- oder Regenasser problemlos abfließen kann. Wasserstau im Kübel zerstört durch die Frosteinwirkung nicht nur den Kübel, sondern auch das gesamte Wurzelwerk.

 

Ein Bekannter und ich hatten neulich einen Streit darüber, ob man im Winter Vögel im Garten füttern sollte oder nicht. Seiner Meinung nach solle man in die Naturabläufe nicht eingreifen, das würde den natürlichen Ausleseprozess verhindern. Kranke und schwache Tiere würden so durch den Winter gebracht, obwohl die Natur dies nicht vorgesehen hätte. Hat er Recht? Wie sehen Sie das?
Uwe Richter, Henstedt-Ulzburg

Als Botschafter der Loki-Schmidt-Stiftung bin ich oft der Natur auf der Spur. Deshalb freue ich mich auch über diese Frage. Wie und wann und warum überhaupt sollten Vögel gefüttert werden? Wann die Fütterung beginnen soll, darüber gehen in der Tat die Meinungen von Expertinnen und Experten auseinander. Einige empfehlen die Fütterung erst ab der ersten Schneedecke, damit die Vögel solange wie möglich auf Futtersuche in der Natur gehen. Bei länger anhaltendet geschlossener Schneedecke finden unsere einheimischen Vögel nicht mehr genügend Nahrung in den Gärten, verbrauchen aber trotzdem viel Energie, um ihre Körpertemperatur von rund vierzig Grad aufrecht zu erhalten. Meisen verlieren beispielsweise in einer kalten Nacht bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts. Da die Vögel sich an neue Futterstellen zwar erst langsam gewöhnen, dann aber auf regelmäßigen Nachschub hoffen, sollte – wenn man hier handeln möchte - die Fütterung kontinuierlich sein. Grundsätzlich sind natürlich unsere heimischen Singvögel, die den Winter bei uns verbringen, daran angepasst ihre Nahrung weitgehend selbst zu finden und nur bei widrigen Verhältnissen in nahrungsreichere Gebiete auszuweichen. Wann die Fütterung beginnen soll, auch darüber gehen die Standpunkte total auseinander. Einige empfehlen die Fütterung erst ab der ersten Schneedecke, damit die Vögel solange wie möglich auf Futtersuche in der Natur gehen. Andere  plädieren dafür, man solle die Vögel früh genug an die Zufütterung und die Nähe des Hauses gewöhnen, damit sie die Futterplätze rechtzeitig annehmen. Ist das schon Naturschutz oder Lust auf eine Fensternahe „Piepshow“? Wer hier nicht artgerecht füttert, wird vermutlich nur das aufgeregte Treiben beobachten wollen. Zunehmend wird für eine Ganzjahresfütterung plädiert. Ein unermüdlicher Botschafter dafür ist der bekannte Ornithologe Prof. Dr. Peter Berthold (ehemaliger Direktor der Vogelwarte Radolfzell). Er ist nach jahrelangen Untersuchungen zu dem Entschluss gekommen, dass sogar eine Ganzjahresfütterung durchaus folgerichtig sei. Der Lebensraum der Vögel ist mittlerweile so aufgeräumt, dass viele unserer gefiederten Gefährten wirklich keine ausreichende Nahrung in der Natur mehr finden. Selbst bei der jährlichen Ernte bleibt durch den Einsatz von modernen Maschinen kaum noch ein Körnchen übrig. Der globale Artenrückgang geht mit den dramatischen Umweltveränderungen einher. Ein ganzjähriges Futterangebot ist neben einer abwechslungsreichen naturnahen Bepflanzung im Garten deshalb die vermutlich richtige Entscheidung. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel ein Blaumeisenpärchen bis zu 1 000 mal pro Tag – bevorzugt mit eiweißreicher Insektenkost – zur Fütterung ans Nest fliegt, dann macht ein Umdenken, die Vogelwelt zu erhalten, durchaus Sinn.

Die natürlichste Art der Vogelfütterung besteht auch im Anpflanzen von Beeren tragenden Sträuchern. Nützlicher Nebeneffekt: Die dornigen Sträucher bieten den Vögeln eine gute Versteckmöglichkeit. Aus diesem Grund sollten Bäume und Sträucher erst am Ende des Winters zurückgeschnitten werden. Zu den Vogelnährgehölzen gehören beispielsweise Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus): wächst dicht verzweigt und erreicht ausgewachsen eine Höhe von bis zu vier Metern. Ab Juni blüht er weiß, im Herbst trägt er rote Früchte, die den Vögeln besonders gut schmecken. Die Schlehe (Prunus spinosa): bereichert mit ihren hübschen Blüten im Frühling jeden Garten. Im Herbst bildet sie die bekannten, schmackhaften Schlehenfrüchte. Die Felsenbirne (Amelanchier): Ihre Blätter sind beim Austrieb kupferrot, dann grün und im Herbst leuchtend gelb bis orangerot. Die Früchte sind süß und können zu Marmelade oder Likör verarbeitet werden – falls die Vögel etwas übrig lassen. Die Kornelkirsche (Cornus mas): Der Hartriegel blüht oft schon im März/April und ist daher eine besonders wichtige Bienennährpflanze. Die dunkelroten Früchte gelten als gesundes Wildobst. Die Berberitze (Berberis vulgaris): blüht von Mai bis Juni, duftet stark und trägt ab August an ihren dornigen Zweigen bis zu einem Zentimeter lange Beeren.