Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 21

07. Juli 2020, Garten-Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Noch nie war ich so froh und glücklich über meinen großen Garten, mein eigenes Paradies, wie in den letzten Wochen und Monaten! Hier bin ich ganz allein mit meinem Kater Gustav, der mit mir elegant durch den Garten schlendert wie ein gefeierter General, der die Parade abnimmt. Ein paar Frösche springen sicherheitshalber wieder in den Teich, wenn wir vorbeikommen, über mir kreisen einige Seeadler und aus dem nahen Wald- und Teichgelände höre ich die Kraniche schreien, die dort seit ein paar Jahren brüten. Um mich herum blüht und duftet es, Bienen, Hummeln und Schmetterlinge fliegen umher und die Sonne scheint ...
Die ganze Welt steht seit Monaten Kopf, und ausgerechnet ich gehöre zu den Glücklichen, die gesund und munter jederzeit im nahen Wald spazieren gehen können und zudem einen eigenen Garten haben, in dem sie tun und lassen können, was sie wollen. Natürlich ärgert man sich oft über irgendwelche Kleinigkeiten und sorgt sich zum Beispiel, ob der heiß geliebte Apfelbaum jetzt doch noch eingeht oder wie hässlich die Beule im neuen Auto aussieht, aber wie unwichtig solche Dinge im Grunde sind, fällt uns immer erst ein, wenn irgendwelche schlimmen Katastrophen über uns hereinbrechen.
Doch im eigenen Garten kann man ja zum Glück gut abschalten und Sorgen, Kummer, Trauer und die ganze Welt einfach vergessen. Dieses Frühjahr ohne Gartengäste war für mich eigentlich ganz praktisch, denn endlich war mal Zeit und Gelegenheit, ältere Gartenbereiche völlig umzugestalten. Einige Rhododendren, die durch die letzten trockenen Sommer sehr traurig aussahen und von denen ich im Herbst noch gehofft hatte, dass sie sich wieder erholen, habe ich spontan herausgenommen und die kompletten Beete ganz neu bepflanzt. In feuchteren Böden als unseren hätte ein beherzter Rückschnitt gereicht, um die Pflanzen neu austreiben zu lassen, aber das wäre hier zwecklos gewesen.
Dank meiner vielen Staudentöpfe im Folientunnel, die eigentlich zum Verkauf bestimmt waren, war das kein Problem. Ruckzuck konnte ich die leeren Flächen umgraben und neu bepflanzen. Und auch die Nachbarbeete konnten ein paar Veränderungen gebrauchen. Nichts macht im Garten mehr Spaß, als neu zu pflanzen. Noch sehen die neuen Beete ein wenig kahl aus, aber ich bin jetzt richtig froh, mich von den alten Sträuchern getrennt zu haben. Da war das Corona-Virus doch auch mal zu was nütze. Und weil ich plötzlich so viele große Töpfe, Kübel und auch Platz im und um den Folientunnel zur Verfügung hatte, konnte ich mir endlich einen lang gehegten Traum erfüllen und habe jetzt wieder einen kleinen mobilen Gemüsegarten. Verschiedene Kohlsorten, Kartoffeln, Brokkoli, Zucchini, Gurken, Salat Radieschen, Kohlrabi, Tomaten, Rucola, Schnittlauch, Erdbeeren und vieles mehr lässt sich prima in großen Töpfen anbauen.
Ich hoffe auch, dass die gefräßigen Schnecken in den Töpfen leichter zu bekämpfen sind als in den Gemüsebeeten. Die ersten selbst gezogenen Salate haben wir schon mit Genuss verspeist, und wer merkt, wie viel Mühe es macht, eigenes Gemüse zu ziehen, der weiß es auch mehr zu schätzen als einen Kohlkopf aus dem Supermarkt. Das reicht zwar noch lange nicht zur Selbstversorgung, bereichert aber unseren Speiseplan – und macht mehr Spaß als Nudeln und Toilettenpapier zu horten.