Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 26

04. May 2021, Garten-Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Nicht nur Bekleidung, Frisuren und Möbel sind einem ständig wechselnden Modetrend unterworfen, auch die Gartengestaltung unterliegt offenbar einem strengen Diktat. Aber wer bestimmt eigentlich, was in unseren Gärten in oder out ist, oder welche Pflanzen Mann oder Frau unbedingt haben muss und was rausfliegen soll, weil es nicht mehr modern genug ist? Dass Gräser, Kiesgärten, Gartendeko aus rostigem Eisen und Gartenmöbel aus rattanähnlichem Kunststoff gerade ziemlich angesagt sind, ist ja sogar mir schon aufgefallen, aber eigentlich habe ich bis vor kurzem nie darüber nachgedacht, ob mein Gartendesign noch zeitgemäß ist.

Neulich hatte ich ein nettes Gartengespräch, in dem mir mitgeteilt wurde: »Solche Staudenrabatten, wie du sie im Garten hast, sind völlig unmodern und überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Das mag doch keiner mehr leiden und vor allem junge Leute legen sich solche Gärten doch überhaupt nicht mehr an.« Obwohl es mir bisher immer völlig schnurzegal war, ob andere Leute meinen Garten, meine Pflanzen oder die Gestaltung leiden mögen oder nicht, gingen mir diese Worte doch eine ganze Weile im Kopf herum. Hatte mir jemand aus meiner Familie doch einmal zu meiner wirklich nicht sehr modernen Einrichtung gesagt: »Bei euch sieht es aus wie im Museum.« Tja, da ist scheinbar etwas dran. Ich bin also altmodisch. Wenn ich mir im Internet alte, englische Landsitze mit ihren uraltem Inventar, überquellenden Bücherregalen, altem Geschirr und den so herrlich verwunschenen Gärten und den mit Efeu überwachsenen Mauern ansehe, geht mir das Herz auf und ich möchte sofort meine Koffer packen und dort einziehen.

Ich mag einfach alte Sachen wie das Geschirr von Uroma, den Übertopf vom Flohmarkt, das kitschige Blumenbild von Tante Frieda und natürlich jede Menge Bücher. Englische Gärten wie Sissinghurst oder Kiftsgate Court locken immer wieder hunderttausende Besucher an. Offenbar sind die alle so hoffnungslos altmodische Menschen wie ich. Dass jüngere Menschen keine großen Staudenrabatten mehr in ihren Gärten anlegen, hat meiner Meinung nach ganz andere Gründe. Wer kann sich heutzutage so große Grundstücke überhaupt leisten und hat dann auch noch genügend Zeit solch große Gärten zu pflegen? Außerdem haben jüngere Gartenbesitzer meist kleine Kinder, die zum Fußballspielen, Schaukeln und Rumtoben lieber eine Rasenfläche, als ein buntes Staudenbeet haben möchten. Und am Wochenende sitzen jüngere Menschen vielleicht einfach lieber zum Grillen und Ausruhen auf ihrer Terrasse statt Unkraut zu puhlen. Mein eigener Garten ist auch nicht über Nacht entstanden, sondern ist über die Jahre gewachsen und hat sich ständig verändert. Schaukel, Sandkiste und Spielrasen sind im Laufe der Zeit verschwunden und die schönen Staudenbeete, die sich jetzt dort befinden, werden auch nicht ewig bestehen können.

Meine herrlich duftenden historischen Rosen, die Dahlien, Pelargonien, Nelken, Phlox, Zinnien, Annemonen, Herbstastern, Cosmeen und Tagetes... alle völlig altmodisch und out? Macht nix, ich finde meinen Garten trotzdem schön und genieße jede Minute darin. Vielleicht ist es mit der Gartenmode wie mit der Kleidermode – irgendwann kommt alles wieder – ich muss nur ein paar Jahre warten und »Schwupps«, werde ich dann auf meine alten Tage der Trendsetter der modernen Gartengestaltung sein.