Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 27

04. May 2021, Garten-Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Der Kommentar eines Bekannten, der irgendwann im März unverhofft und lachend bei mir im Garten auftauchte, war gnadenlos: »Wenn Du öfter so draußen rumläufst, musst Du Dich nachher nicht wundern, wenn die Vögel Euch die Kirschen vom letzten Jahr wiederbringen!“. Das war sicherlich ziemlich gemein, aber ich muss zugeben, er hatte Recht.

Es war »schweinekalt«, wir hatten unangenehmen Ostwind und es nieselte. Gummistiefel, die erdverdreckte Hose und die an den Ärmeln  ausgefranste alte Gartenjacke waren jedoch wohl weniger der Stein des Anstoßes; vielmehr dürfte es die nicht sehr kleidsame Skimütze auf meinem Kopf gewesen sein, um die ich noch einen alten Schal gewickelt hatte. Als ich später im Haus war, musste ich bei meinem Anblick im Spiegel selber lachen. So eine Vogelscheuche hatte ich auch lange nicht gesehen. Selber Schuld, ich hatte nicht mit Besuchern gerechnet und mir, meinen Blumen und dem Kater ist mein »Garten-Outfit« völlig egal.

Meinen Mann hatte ich am Morgen noch frisch gekämmt, mit dezentem Make-up und zwar alten, aber sauberen Klamotten verabschiedet. Da er als Jäger ebenfalls den ganzen Tag bei diesem Wetter irgendwo in Wald und Flur herumkriechen würde, war noch gar nicht sicher, wer später den ersten Preis für die dreckigsten Klamotten bekommen würde...

Wer zudem wie ich lange und sehr krause Haare hat, weiß, wie schwierig es, ist die Lockenpracht bei der Gartenarbeit zu bändigen. Geflochten, hochgesteckt, mit Spangen, Kämmen und Bändern in Form gebracht, sehen die Haare so lange einigermaßen ordentlich aus, bis es anfängt zu nieseln oder die ersten Windböen ums Haus fegen. Beginne ich aber zwischen meinen vielen stacheligen Strauchrosen zu jäten oder sie anzubinden, ist alles zu spät und ich hänge mal wieder mit den Haaren irgendwo fest. Also muss ein Stirnband oder ein Kopftuch her. Weil ich aber bei der Gartenarbeit nur die halbe Zeit aufrecht stehe und den Rest mit dem Kopf nach unten verbringe, rutschen Kopftuch und Stirnband mir ständig in die Augen und müssen mit schmutzigen Händen wieder nach oben geschoben werden.

Wie sich die geneigte Leserschaft lebhaft vorstellen kann, ist nach kurzer Zeit nicht nur mein armes Gesicht voll Erde, sondern die hochgesteckten Haare werden auch wunderbar »toupiert«, so dass es am Abend fast unmöglich ist, die Haare wieder zu entknoten und durchzukämmen. Also ist so eine Skimütze für die Gartenarbeit recht nützlich, leider auch einfach »potthässlich«.

Aber was macht »frau« in der warmen Jahreszeit? Haare abschneiden? Würde bei krausen Haaren nicht viel bringen, da einem die Locken erst recht in den Augen hängen würden – und dann wären wir wieder bei Spangen und Stirnbändern. Da in meinem Garten oft Besucher oder Kunden vorbeikommen, versuche ich, Arbeiten, die vollen Körpereinsatz erfordern und mich in eine verdreckte, nasse Vogelscheuche verwandeln, auf den Abend zu legen, um niemanden zu erschrecken. Andere Gartenmenschen mit Erde und Rosenkratzern an Händen und Kleidung sind mir deshalb immer sofort sympathisch.

In den »Rosamunde Pilcher« Filmen schlendert die wohlfrisierte, ländlich-schick gekleidete Gärtnerin immer mit einem hübschen Korb durch ihren Garten, schneidet mit einer zierlichen Schere grundlos irgendwelche Blüten ab und trägt dabei auch noch einen modischen Hut. Dafür haben wir hier in Schleswig- Holstein wohl nicht immer das richtige Wetter – und vielleicht auch nicht genug Personal. Aber unsere Gärten sind doch genauso schön, oder?