Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 4

05. September 2017, Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Sicher ist Ihnen schon einmal aufgefallen, was für einen positiven Vorher-Nachher-Effekt man durch eine frisch gemähte Rasenfläche erreichen kann. In meinem Garten, muss es eigentlich »Mann« heißen, denn Rasenmähen ist die einzige Gartenarbeit die hier »Männersache« ist. Und das i-Tüpfelchen sind dann sauber geschnittene, frisch abgestochene Rasenkanten. Schließlich will man ja auch seine Nachbarn und Gartengäste davon überzeugen, dass man ein ordentlicher, fleißiger Gärtner oder eine ebensolche Gärtnerin ist. Das ist dann aber wieder mein Job, so weit geht die Liebe meines Mannes zur Rasenpflege nun doch nicht!

Das scheint in 95 Prozent der Gärten in Schleswig-Holstein die übliche Arbeitsteilung zu sein und sorgt, wie ich aus zahlreichen Gesprächen mit Gartengästen weiß, immer wieder für erbitterte Kämpfe und lebhafte Diskussionen. Ich bin mir sicher, dass die unterschiedlichen Ansichten über die Form der Rasenkanten genetisch bedingt sind. Ich möchte wetten, dass, wenn Sie ein Mann sind, Sie Ihre Rasenkanten schön rechtwinklig abstechen, ohne die bestehende Größe des Rasens in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Ja, natürlich, es gibt auch Ausnahmen. Und ebenfalls ja, der Rasen lässt sich so viel einfacher mähen! Schon klar. Wenn Sie hingegen eine Frau sind, werden Sie, so wie ich natürlich auch, garantiert irgendwann ganz automatisch aus einer langweiligen, rechtwinkligen Rasenkante eine schön geschwungene machen. Und dann, während
Sie Ihr Werk betrachten, wird Ihnen die Idee kommen, dass man das angrenzende Staudenbeet doch eigentlich noch ein ganz klein wenig vergrößern könnte. Dann würden nämlich auch die überhängenden wunderschönen Blüten des Frauenmantels nicht immer Opfer des Rasenmähers, wenn Ihr Mann mäht ...

Ist Ihr Mann in der Nähe und Sie kommen auf die Idee, ihm von Ihren tollen Plänen zu erzählen, in der Hoffnung, dass er die »grobe Arbeit« der Entfernung diverser Rasensoden übernimmt, haben Sie, vermute ich, leider verloren. Versuchen Sie gar nicht erst, sich mit ihm auf einen Kompromiss bezüglich der Rasengröße zu einigen. Es gibt keinen! Ich weiß, es gibt sicherlich auch Ausnahmen. Besonders die männlichen Funkiensammler sollen angeblich nicht so an ihrem Rasen hängen, aber ob das auch stimmt? Männer wollen weder ein größeres Staudenbeet, noch geschwungene Rasenkanten, das ist meine Erfahrung. Entweder Sie verschieben also Ihr Projekt, bis niemand in der Nähe ist, oder Sie handeln blitzschnell und pflanzen gleich diverse »Kantenpflanzen« wie Storchschnabel, Frauenmantel, Sedum oder Stachys in die neue Fläche. Sie können dort auch ein paar Topfpflanzen zur Tarnung deponieren, damit die »Rasenlücke« nicht so auffällt.

Bestimmt gibt es anschließend ein bisschen Gemecker,
aber weiblicher Einfallsreichtum hilft hier weiter. Wenn
man Grassoden umgedreht lagert, entsteht noch prima Kompost daraus. Außerdem lassen sich mit Grassoden ganz wunderbar schadhafte Rasenecken ausbessern. Und das ist doch auch für den männlichen »Rasenmäher« eine beglückende Tatsache ...