Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 5

07. November 2017, Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Nachdem ich im vergangenen Jahr wochenlang bei Regen und Kälte Stauden, Rosen und Sträucher um- und neugepflanzt, Wege verbreitert, tonnenschwere Gräser und Funkien ausgebuddelt, geteilt und wieder eingepflanzt hatte, fasste ich einen Entschluss: "Im Herbst 2017 wird nichts umgepflanzt!" Schließlich sollten sich meine Mühen gelohnt haben und in diesem Jahr alles noch schöner, besser und eigentlich perfekt aussehen. "Und dann bleibt das für die nächsten Jahre auch so wie es ist", betonte ich laut und deutlich, dass auch alle meine Familienmitglieder es hören konnten. Irgendwie hat allerdings keiner von ihnen darauf reagiert, aber ich habe tatsächlich fest daran geglaubt. 

Bis mir dann aufgefallen ist, dass der Frauenmantel im weißen Beet viel zu groß geworden und die namenlose, grüne Funkie daneben doch ganz schön langweilig ist. Zum Glück hatte ich noch ein paar andere Funkien mit weißem Rand im Topf, die dort gut hinpassen würden. Alles fängt, und das ist eigentlich immer so, ganz harmlos an: Alle möglichen Gartengeräte, eine Schubkarre voll Kompost, diverse Töpfe mit selbst gezogenen Pflanzen und die Funkien aus den Töpfen werden herbeigeschleppt, der Gartenschlauch ausgerollt und schon geht es los.

Die Funkie auszugraben ist viel schwerer als erwartet und wie viele Blumenzwiebeln beim Buddeln ans Tageslicht befördert werden! Unglaublich! Aber nach ein paar Stunden ist alles, was heraus sollte, in meiner Schubkarre, die neuen Pflanzen sind in der Erde und das erneuerte Beet wurde mit frischem Kompost gemulcht. Nun muss ich nur noch alles angießen und schon bin ich fertig. Naja, nicht ganz. Irgendwie sieht jetzt alles so leer aus und eigentlich könnte neben der Rose doch noch eine weiße Aster stehen ... Leider habe ich keine mehr im Topf, aber in meinen rosafarbenem Beet steht noch eine schöne Waldaster, die ich doch mal kurz teilen und hier einpflanzen könnte. Und schon bin ich wieder mit Spaten und Schubkarre unterwegs, um die Aster auszubuddeln. Bei einem kritischen Blick auf das - fast - perfekte Beet in Rosa fällt mir dann auf, dass der Storchenschnabel auch mal geteilt werden könnte. Und wohin tue ich eigentlich die grüne Funkie aus dem weißen Beet? Zum Wegwerfen ist sie viel zu schade, also ab mit ihr in einen großen Kübel. Eigentlich wollte ich ja nicht mehr so viele Töpfe mit Pflanzen herumstehen haben. Schließlich müssen die ja regelmäßig gegossen werden. Aber einer mehr macht ja nun auch keinen großen Unterschied ...

Trotz Regen und Sturm bin ich jetzt aber doch tatsächlich fertig mit um- und neupflanzen, abschneiden und teilen. Hunderte von Narzissen- und Tulpenzwiebeln haben ein neues Zuhause bekommen und mir bleibt in den folgenden Wochen genug Zeit, mich mit den Mengen von Herbstlaub zu amüsieren, das ganz sicher wieder fällt und fällt und fällt. "Na, hast du deinen Garten fertig?" fragte mich gestern eine Freundin, als wir mit einem Becher Kaffee durch meinen herbstlichen Garten schlenderten. "Ja, alles fertig, nur das große Miscanthus-Gras unter der Sicheltanne, das muss bis zum Frühjahr warten", habe ich geantwortet. Gräser nehmen es nämlich oft übel, wenn sie im Herbst verpflanzt werden. "Es soll in den Vorgarten, dort muss ich dann nur etwas von der Monarde herausnehmen." Meine Freundin konnte sich ein Lachen nicht verkneifen: "Stell' dir bloß vor, du hättest tatsächlich mal alles fertig und würdest nichts mehr umpflanzen." Ach nein, das wäre doch furchtbar langweilig, oder?