Mein Landleben - Folge 25: »Das mag ich nicht.«

25. April 2016, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

Mein großer Sohn mag keine Kartoffeln, der kleine keinen Reis und mein Mann findet Nudeln grundsätzlich unattraktiv. Fenchel und Sellerie isst außer mir keiner in der Familie, Broccoli und Blumenkohl mögen zwei von vier. Fisch kommt bei meinem Mann sehr gut an, wird aber von den Kindern abgelehnt.

Denen ist auch Lamm zu streng. Während mein Mann wiederum Pute als fade bezeichnet. Das ist nur ein kleiner Überblick über die Vorlieben und Abneigungen meiner drei Männer im Haus. Aber Sie können sich vorstellen, dass es unter diesen Umständen nicht ganz einfach ist, abwechslungsreich zu kochen. Frikadellen oder Schnitzel mit Kartoffelpüree werden immer gern gegessen. Aber daran hängt mein Herz nicht allzu sehr und es ist auch nur mit sehr viel Wohlwollen als gesunde Küche zu bezeichnen. 
Also versuche ich zu variieren, so gut es geht. Mal muss der eine die Kartoffeln in Kauf nehmen, mal der andere den Salat. Aber eigentlich immer sitzt einer am Tisch, der sagt: »Das mag ich nicht.« Dabei haben wir zumindest das große Glück, dass die Kinder theoretisch alles essen könnten, weil sie nicht wie so viele andere unter irgendwelchen Nahrungsunverträglichkeiten leiden. Im vergangenen Sommer hatten wir bei einem Grillabend einen Vegetarier, eine Freundin mit Gluten-Unverträglichkeit und einen Bekannten mit Laktose-Intoleranz zu Gast. Dazu kam noch die Knoblauch-Allergie des Vegetariers. Es war nicht ganz einfach, alle satt zu bekommen. Unglücklicherweise war in den kleinen Gemüsepäckchen Feta-Käse (Vorsicht – Laktose!), in dem Quark Knoblauch (dumm gelaufen für den Vegetarier) und die Croutons auf dem Salat machten meine Freundin unglücklich (Gluten!). Trotzdem wurde es ein höchst vergnüglicher Abend, denn Wein haben sie alle getrunken. 
Einer meiner Lieblingsgäste ist übrigens ein stabiler kleiner Junge, der mit meinem jüngeren Sohn befreundet ist. Der heißt Oliver und isst eigentlich fast alles. Und anscheinend schmeckt ihm auch alles. Zumindest sagt er das immer – meist mit vollem Mund. Er liebt meine Apfelwaffeln, den Kräuterquark und die selbst gemachte Pizza. Und Oliver lässt sich auch gern noch etwas einpacken, um es mit nach Hause zu nehmen. Ich mache mir zwar durchaus Sorgen um seine jetzige und vor allem künftige Figur, aber es schmeichelt meinem Ego, dass endlich mal einer alles mag, was ich koche. Allerdings wird diese wunderbare Beziehung jetzt ein abruptes Ende nehmen. Oliver zieht mit seinen Eltern ins Rheinland. Einen unkomplizierteren Gast werde ich sicher nie mehr haben.
Dafür habe ich einen sehr selbstbewussten Freund, der sich selbst für einen Meister im Abschmecken hält. Den darf ich möglichst nicht allzu lange in der Küche allein lassen. Dann gießt er noch etwas Balsamico in die Soße oder würzt irgendetwas mit Kreuzkümmel oder Zucker nach. Und die meisten Gerichte entwickeln sich meiner Ansicht nach durch seine Hilfe nicht zum Besseren. Neulich hat er es doch tatsächlich geschafft, fast einen halben Liter Vollmilch im meine sorgsam abgeschmeckte Lamm-Bolognese-Soße zu schütten. Angeblich hat er von einem Star-Koch gehört, dass alle italienischen Mamas einen
Schuss Milch in ihre Hacksoßen geben. Und dann saß ich bei meiner eigenen Einladung am Tisch und dachte insgeheim: Das mag ich nicht!