Mein Landleben - Folge 27: Hubert und die Hühner

29. August 2016, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

Tierbabies sind ja irgendwie alle niedlich - egal, ob es kleine Katzen, Otter oder Eichhörnchen sind. Einzige Ausnahme sind vielleicht junge Vögel, die federlos meist aussehen, als wären sie gerade für den Suppentopf vorbereitet worden.

Aber alles, was Fell hat und einen schon mit offenen Augen angucken kann, rührt mein Herz. Und diese Tatsache hat dazu geführt, dass ich im vergangenen Jahr einmal nicht ganz so überlegt und rational gehandelt habe wie es wünschenswert gewesen wäre. Wovon ich rede? Von meinem jungen Hund Hubert.

Sie erinnern sich vielleicht – den haben wir uns im vergangenen Sommer gekauft. Und wir haben uns die Entscheidung in der Familie nicht leicht gemacht. Nachdem wir uns gemeinsam für eine Rasse entschieden hatten, haben wir sorgsam die weiteren Kriterien festgelegt: Da es ein ungarischer Jagdhund sein sollte und wir unser Essen nicht selbst im Wald schießen wollen, sollte er aus einer nicht-jagdlichen Zucht kommen. Er sollte mit Kindern, Katzen und am besten auch Hühnern aufgewachsen sein, damit er die alle als Freunde und nicht als Beute sieht.

Und dann haben wir angefangen im Internet zu suchen und sind einen Rausch geraten. Welpenbilder über Welpenbilder. Auf der Wiese, im Haus, im vollen Lauf mit fliegenden Ohren, zusammen gekuschelt im Körbchen, beim Fressen eingeschlafen. Ein Bild hübscher als das andere. Entschieden haben wir uns dann für einen besonders süßen kleinen Kerl – fünf Fahrstunden von hier im Osten.

Aber welch Überraschung als wir ankamen: Sein Vater war ein erstklassiger und sehr erfolgreicher Jagdhund. Uups. Da hatte ich wohl was übersehen. Aber mittlerweile hatten meine Jungs einen Rüden aus dem Wurf auf dem Arm und hatten unübersehbar ihr Herz verloren. Der war aber auch rührend. Und wer sagt schon, dass der Sohn immer wie der Vater werden muss... Also, ich war mir mit der Verkäuferin handelseinig, wir hatten das Hundebaby an der Leine, die Kinder strahlten, da sah ich in der Ecke des Hofes Hühner. Allerdings in einem mehrfach gesicherten Gehege. Auf meine Frage, warum die nicht frei laufen dürften, kam der nächste Schreck: Seine Mutter war zwar ein sehr freundlicher und liebenswerter Hund, hatte aber in einem unbeobachteten Moment einen Satz Hühner gekillt. Oh je. Da hatte ich am Telefon eindeutig nicht gut recherchiert. Und jetzt? Ohne Welpen wieder zurück und die Suche von vorn beginnen? Sie ahnen es sicher - das habe ich irgendwie nicht übers Herz gebracht. Und da meine Hühner frei durch den Garten spazieren, hatte ich mir damit selbst die anspruchsvolle Aufgabe gestellt, einem Jagdhund das Hühnerjagen abzugewöhnen. Dumm gelaufen.

Denn wie macht man das am besten? Auf keinen Fall hinter dem Hund herlaufen. Dann sieht er das als Spiel, sagte die einschlägige Fachliteratur. Aha. Aber was soll man tun, wenn der Hund ein Huhn jagt und es aussieht, als hätte er es gleich im Maul? Also ich bin hinterher gerannt und habe von hinten geschrien, dass ich ihn ins Heim bringe, wenn er das Huhn nicht in Ruhe lässt. Hubert hat diese Fangspiele geliebt. Vorn das Huhn, in der Mitte er und ganz hinten ich – so schön und abwechslungsreich kann ein Hundeleben auf dem Lande sein.  

Wie dann ausgerechnet ein neues und sehr naives Huhn meinem Hubert ein bisschen Respekt beigebracht hat, das erzähle ich Ihnen beim nächsten Mal.