Mein Landleben - Folge 28: Hubert und die Hühner Teil II

04. November 2016, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

Während ich hier sitze und schreibe, steigt mir ein befremdlicher Geruch in die Nase – eine Mischung aus Gülle und Babyshampoo. Und obwohl er durchaus blumige Anteile hat (Babyshampoo), überwiegt doch die strenge landwirtschaftliche Note.

Der Grund für diese geruchstechnische Beeinträchtigung ist mein junger Hund Hubert, der unter meinem Schreibtisch liegt. Auf dem Spaziergang eben hat er eine frisch gedüngte Fläche etwas früher entdeckt als ich. Und dass ich ihn nach dem Marsch mit viel warmem Wasser und Waschgel mit Mandelnote eingeschäumt habe, zeigt leider wenig Wirkung. Überhaupt ist Hubert ein Hund, bei dem man sich manchmal eine leichte Erkältung mit komplett verstopfter Nase wünscht. Mein Mann sagt immer, der Hund würde stinken. Ich finde, das klingt hart und ablehnend und bezeichne es lieber als würzig. Aber mein würziger Hund ist in der Tat ein sehr eigenwilliges Tier. Eigentlich wurde er ja als Familienhund angeschafft. Aber wenig überraschend verschwinden immer alle Kinder in ihren Zimmern, wenn es darum geht, mit dem Tier mal an die frische Luft zu gehen. Und auch mein Mann hat meist gerade keine Zeit. Also hält sich der Hund an mich. Und lässt mich zur Sicherheit nie aus den Augen, damit er auch keinen meiner Schritte verpasst. Ich habe also mittlerweile einen vierbeinigen Schatten, der sogar auf der Badematte sitzt, wenn ich dusche.Meine morgendliche Standard-Laufstrecke von drei Kilometern ist für ihn eigentlich nur eine Aufwärmphase. Und mit den üblichen Tricks wie Bälle apportieren komme ich bei ihm nicht weit. Denn während ich werfe, heftet er seine bernsteinfarbenen Augen durchgehend auf mich. Und so weiß er nie, wo der Ball runtergefallen ist. Das, obwohl ich heute nicht besser werfe als zu Grundschulzeiten und der Ball quasi wenige Meter hinter ihm landet. Hubert hat auch ein erstaunliches Geräusch-Repertoire. Er winselt entsetzlich – zum Beispiel, wenn er morgens nicht mit ins Bad darf. Er begrüßt mich mit einem begeisterten langgezogenen Heulen, wenn er mich nach einiger Zeit wiedersieht. Als meine Freundin das neulich mal hörte, fragte sie: »Macht er das oft?« Ich darauf: »Nur, wenn er mich länger als zehn Minuten nicht gesehen hat.« Meine Freundin sagte nichts – aber in ihrem Gesicht sah man sehr deutlich, dass sie diese Rasse von ihrer Hunde-Wunschliste gerade wieder gestrichen hatte. Abgesehen von Geruch und Geräuschen ist mein Hubert auch ein sehr waches und lauffreudiges Tier mit langen Beinen.Richtig in Bewegung geraten wir beide allerdings, wenn es um Hühner geht – ich habe es Ihnen vor kurzem schon erzählt. Denn die findet er sensationell spannend. Und wenn sie gackernd vor ihm wegflattern, hüpft sein Hundeherz höher und er sprintet los. Wie sollte ich ihm das abgewöhnen? Ein Tipp eines Hundetrainers: Ich sollte Hubert mit etwas Hartem bewerfen, wenn er losliefe. Die Idee setzt leider voraus, dass ich werfen kann ... Dem ist ja – wie bereits erwähnt – nicht so. Mit einem kalten Wasserstrahl treffen, war ein weiterer Vorschlag. So weit wie der Hund rennt, reicht der Schlauch aber nicht. Die Hühner sicher einsperren. Ich habe einige sehr flugbegeisterte Tiere, die diesen Vorschlag nicht akzeptiert haben. Letztendlich hat ein ganz neues junges Huhn namens Isolde das Problem für mich gelöst. Als Hubert in diesem Sommer freudig auf sie zugehüpft ist, blieb sie einfach sitzen. Schließlich wusste Isolde noch nicht, dass er ihr gefährlich werden könnte. Und als mein Hund sie etwas irritiert beschnüffelt hat, hat sie ihm beherzt in die Schnauze gepickt. Seitdem ist Ruhe im Garten. Geht doch – ein Problem gelöst.