Mein Landleben – Folge 30: Urlaub mit Hund

02. März 2017, Harriet Heise - Mein Landleben,

 

Mittlerweile kennen Sie meine Hühner mit Namen, wissen, was mein Hund macht, was bei mir im Garten wächst und womit ich mich in der Familie so herumschlage.

Was für ein Traum: Fünf Tage lang keine Kinder hin und her fahren, keine Hühner füttern, keine Schulbrote schmieren. Fünf Tage Urlaub ganz allein – das habe ich mir Anfang dieses Jahres gegönnt. Allerdings „ganz allein“ stimmt nicht wirklich. Ich habe Hubert mitgenommen; den kennen Sie mittlerweile. Meinen jungen und etwas groß geratenen Hund. („Warum hast Du Dir denn ein Kalb gekauft?“ fragte mich neulich ein Bekannter, als er das erste Mal auf Hubert traf.)

Wir beide also in einer schönen Ferienwohnung auf Sylt. Aber das hatte ich mir alles etwas unkomplizierter vorgestellt. Es begann damit, dass Hubert nicht gern Auto fährt. Er macht dann Geräusche, die ein bisschen an ein von der Mutter verlassenes Robbenbaby erinnern. Die werden ja nicht zu Unrecht Heuler genannt. Den Autozug fand Hubert auch nicht so prickelnd. Er war eindeutig der Ansicht, dass das Auto hinter uns zu nah aufgefahren war und knurrte und bellte den Fahrer an. Der konnte das nicht hören, aber ich dafür sehr gut. Sagen wir mal so – ich bin schon entspannter auf der Insel angekommen. 

Dafür waren die Spaziergänge wunderbar. Ehrlich gesagt, wäre ich allein vielleicht nicht schon um kurz nach sieben Uhr morgens auf dem Deich unterwegs gewesen – aber Schwamm drüber. Etwas problematischer waren allerdings andere Dinge, wie zum Beispiel Essen gehen. Denn Hubert durfte nicht allein in der Wohnung bleiben, musste demnach zwangsläufig immer mit. Erster Versuch also in einer Selbstbedienungs-Fischbude am Lister Hafen.

Logistisch eine Herausforderung. Über dem Arm die Handtasche, unter dem Arm die Hundedecke, auf der Hubert sitzen sollte und in der rechten Hand die Leine. Zuerst habe ich mir eine Ofenkartoffel mit Lachs geholt, das ging ganz gut. Den Hund habe ich mir um den Bauch gebunden, den Teller in die rechte Hand genommen. Dann der nächste Schritt: Ein Glas Wein. Den habe ich mit dem Teller auf ein Tablett gestellt und wollte mir einen Tisch suchen. Aber dann hat Hubert sich erschreckt, es gab einen Ruck, ich konnte das Tablett gerade noch festhalten, aber die Kartoffel schwamm jetzt im Weißwein. Das wäre zwar eh alles zusammen im Magen gelandet, es getrennt zu sich zu nehmen, macht aber deutlich mehr Spaß.

Also Restaurant mit Bedienung. Das habe ich dann zwei Tage später probiert. Lief super, Hubert lag brav auf seiner Decke, ich hatte bestellt. Dann allerdings kam eine attraktive Labrador-Hündin mit Begleitung ins Lokal und legte sich unter den Tisch uns gegenüber. Die fand mein Hubert super und schmachtete und winselte sie an. „Macht er das jetzt die ganze Zeit?“ fragte der Mann am Nebentisch etwas genervt. „Ich hoffe nicht“, war meine hilflose Antwort. Allerdings gab Hubert keine Ruhe. Doch dann hat mit einem Mal ein Baby an einem anderen Tisch beschlossen, dass Essen gehen total langweilig ist, und angefangen zu schreien. Und zwar sensationell laut. „Na, hören Sie meinen Hund noch?“, habe ich den Mann am Nebentisch gefragt. Der musste ein bisschen lachen, denn der Säugling übertönte Hubert mit Leichtigkeit. Aber zur Sicherheit bin ich mit meinem Hund doch kurz nach den jungen Eltern gegangen. Und habe an den restlichen Abenden zu Hause gegessen. Ist ja auch günstiger. 

Fazit nach fünf Tagen: Ohne Hund wäre es noch entspannter gewesen. Aber Hubert war begeistert. Fünf Tage nur er und ich und eine Insel voller Kaninchen, denen man hinterher laufen kann. Wenn er könnte, hätte er bestimmt schon den nächsten Trip gebucht.