Kolumne Ines Barber - Frisch un free (Folge 8)

03. März 2020, Ines Barber,

 

Plattdeutsche Version

Huusarrest

As se düt Joar nu wohrhaftig de Ünnerstütten för Windows 7 afstellt hebbt, dor dach ik, na super, dat is en Teken! Ik kööp* mi eenfach allns nieg*! PC, Bildscheerm, Muus. Rut mit den urolen Krom! Okay, dat kost’n beten, man geiht fix. Blots de Kür, de kümmt nu. De heele Schiet, also de olen Dateien – mien Levenswark – müssen jo ümtrecken. Vun den olen PC op de niege. Dat is villicht för veele akkrat funkschioneern Lüüd eenfach, nich för mi, de Kreativböller. Ik heff över de Joarn neemlich mien egen idiotensekeret System tweischaten*. Also, egentlich wull ik allns, wat ik op den PC so arbeit, ok op mien externe Plaat* fein örnlich afspiekern. En perfekte Kopie anleggen. 1:1. Dag för Dag. Ik heff dat ok övern teemlich lange Tiet disziplineert schafft. Man denn bün ik leider vun Weg afkomen.

Ach, dach ik, nee, dat hier, dat brukst du nich för de Ewigkeit, dat pack ik mol nich op de externe Plaat. Oder: Ach wat, dat stört doch blots op den PC, nee, dat hau ik dor weg, pack dat alleen op de externe Sekern. Un nu de Knüller: Denn heff ik ok noch mien Raster, also de Ort un Wies woans ik Saken afspieker, nich mehr 1:1 afbillt op de beiden Platen. Jo, un denn keem de Dag X …

Ik sitt nu siet’n poor Daag vör so’n Superdooper-Modell vun PC. Löppt. Immerhen. Man nu fangt de Arbeit jo eerst an. Wat’n Kuddelmuddel. Dütmol krigg ik dat hen: En „1:1“ – Kopie vun allns. Oprüümt! Schier! Klor struktureert!

Wat ik woll eendags de Blomen in miene Goarn noch to sehn krigg? Wart seggt, buten, dor deit sik al wat.

 

En poor Wöör:

ik kööp      - ich kaufe

nieg                -  neu

tweischaten – kaputtgeschossen

Plaat             - Platte, im Sinne von Festplatte

 

Hochdeutsche Version

Hausarrest

Als die doch tatsächlich Anfang des Jahres die Unterstützung von Windows 7 eingestellt haben, da dachte ich mir: Ha, das ist ein Zeichen! Ich habe mir daraufhin alles neu gekauft: PC-Turm, Bildschirm, Maus. Raus mit den veralteten Sachen! Okay, okay, das kostet, aber geht super fix. Allerdings – die Kür folgt nun. Der ganze Mist, also die alten Dateien – mein Lebenswerk – das muss nun ja umziehen. Vom alten PC auf den neuen. Das ist für sachlich tickende Menschen vielleicht ein Klacks, nicht aber für mich, den Kreativknaller.

Ich habe nämlich über die Jahre mein einst idiotensicheres System zerschossen. Ich hatte mir fest vorgenommen alles, was ich auf dem PC so an Dateien erarbeite, auch auf meiner externen Festplatte regelmäßig abzuspeichern. Eine perfekte Kopie, 1:1, Tag für Tag. Habe ich auch ziemlich lang durchgehalten. Dann bin ich leider vom Wege abgekommen.

Ach, dachte ich, nee, das hier, das brauchst du doch nicht für die Ewigkeit, das pack‘ mal nicht auf die Externe. Oder: Ach, das hier, das stört nur auf dem PC, hau weg! Das kommt dann nur auf die Externe. Der Knüller: Dann habe ich noch mein raffiniertes System, wie ich was wohin packe, doch nicht mehr 1:1 aufrechterhalten. Ja, und dann kam vor kurzem der Tag X …

Nun hocke ich seit Tagen vor meinem neuen Superdooper-PC. Läuft. Immerhin. Aber die Arbeit fängt jetzt ja erst an. Was für ein Kuddelmuddel! Diesmal bekomme ich das hin: Eine „1:1“-Kopie von allem. Aufgeräumt, perfekt und klar strukturiert!

Ob ich wohl eines Tages die Blumen in meinem Garten mal sehe? Hm, ich habe gehört, da draußen soll sich bereits allerhand tun.