Kolumne Ines Barber - Frisch un free (Folge 13)

05. January 2021, Ines Barber, Ines Barber

 

Plattdeutsche Version

Mit Ansaag ...

Ik bün jo keen Fründin vun düsse Handytelefonie mit Biller, also – live Chat per Videoöverdragn. Mi hett bit herto de Stimm langt. Volle Konzentratschion op jeed Nuance. Man middewiel hett bi mi de Koh Rona (sorry, man den Kalauer müss ik eenfach bringen) also, Corona hett bi mi solk Lengen* na miene Frünnen utlööst, ik bün nu ok mit Video ünner de „Telefonschnacker“ gahn. Man – ik warn se vör. Worüm? Na, büst du villicht vun fröh bit laat „bildschön“? Süh, ik ok ni. Un so schriev ik toerst `ne kotte Naricht, wat ik in – na, so bummelig tein Minuten per „Schnack mit Bild“ bi di anpingel. Denn hest du doch `ne faire Schangs un kannst Di wat örnlich översmieten, dat Hoor in Form strieken, villicht sogor‘n beten Rouge oppacken, dat Sofa entrümpeln, … man dat Wichtigste: Du geihst dor bitte ni an un sitts bräsig trüchwarts packt op‘ weeke Sofa un höllst dien Handy so vun ünnen hochdreiht inne Hann. Bitte nich! Ut solk Perspektiv süht jede Minsch ut as „Jabba the hutt“! Also, düsse quallig kastig Figur ut Star Wars! Keen Kinn, dicke Hals, Nees un allns anner en beten blöd. Ach, greesig. Letzt harr ik so’n Kaliber ut Versehn doch mol spontan in’t Handy vör mi: Du ik kunn mi gor nich op uns‘n Schnack konzentreern. Jümmers weer ik an’t spekuleern un högen över düsse snaaksche* Anblick. – Na, un denn is mi en beten laat infulln, wat ik jüst so bekloppt dor sitten dä…– Also bitte, bitte, warn mi vör, wenn du mol videochatten willst … beter is dat. Danke!

En poor Wöör:

Lengen - Sehnsucht snaaksch – schräg, seltsam

Hochdeutsche Version

Mit Vorwarnung ...

Telefonieren mit Bild, also Videotelefonie, nö, war bis jetzt nicht so meins. Mir reichte die Stimme. Volle Konzentration auf jede Nuance. Doch die „Koh Rona“, (sorry, den plattdeutsch nur möglichen Kalauer muss ich hier einfach bringen) also, Corona hat bei mir dann doch irgendwann eine Riesensehnsucht nach meinen Freunden ausgelöst, daher bin ich nun auch unter die Videotelefonierer gegangen. Aber ich warne vor. Weshalb? Na, sind Sie vielleicht rund um die Uhr „bildschön“? Genau, ich auch nicht. Daher schreibe ich zuerst eine Nachricht und kündige etwa zehn Minuten vorher meinen Videochat an. Da hat jeder eine Chance, kann sich was überwerfen, das Haar richten, vielleicht sogar etwas Rouge auflegen, das Sofa klarmachen …. Doch das Wichtigste: Bitte, bitte, niemand möge rangehen und dabei bräsig nach hinten in die weichen Polster der Couch gelehnt von oben nach unten ins Handy reden! Wir sehen dann leider alle aus wie „Jabba the hutt“! Das ist diese quallig unförmige Figur aus Star Wars! Kein Kinn, dicker Hals, Nase und Rest irgendwie doof. Fies. Letztens hatte ich solch ein Kaliber aus Versehen doch mal spontan im Handy vor mir: Es war mir nicht möglich, mich auf das Gespräch zu konzentrieren. Ständig musste ich auf diesen „Bildunfall“ schauen, war mehr als abgelenkt. – Na, viel zu spät fiel mir ein, ich saß genauso derangiert davor. – Also bitte, warnen Sie mich vor, wenn Sie jemals mit mir videochatten möchten. Besser ist das. Danke!