Kolumne Ines Barber - Frisch un free (Folge 14)

05. January 2021, Ines Barber, Ines Barber

 

Plattdeutsche Version

Afdükern

Mist! De Lantücht buten vör de Döör hett ’n Geist opgeven. Allns duster. Na, egol, de repareer ik fix morrn. Dach ik. Un denn an Sünndag heel inne Fröh, serveer ik Slapstick pur – un keen Swien kiekt to. Immerhen. Ik stell den lütten Tritt vör de Döör. Fein akkrat op de Klinkertrepp in Positschion beten schraag* ünner de kaputt Lantücht. Hm. Dat is noch teemlich kolt buten, de Finger sünd klamm. Direkt ünner de Lamp – ik mutt mi örnlich strecken – liggt de Vörgorn, un allns is dichtwussen. Oh nee, ik mutt nu twee lürrlütte swatte Schruven rutdreihn, dat runne Glas vörsichtig afnehmen un de Beer* uttuschen. Bös fikeliensch*. Un de Düvel sitt jümmers in’t Detail. Op eenmol fallt beid Minischruven daal. Mist Mist. Ach, kiek: Een lütt Schruuv flüggt bi ’t Afmonteern vunne Fassung elegant mit’n duppelten Salto seltsomerwies dörch de apen Döör rin in’t Huus! Tellert oppe witten Fliesen. Perfekt. Man wo is Nummer twee? Womöglich jichenswo deep ünner‘t Gröön un mang de Matsch in mien Vörgoarn? Mist Mist Mist! Wat nu? Un denn geiht bi mi’n Licht an: Ik klei* mi de grote Taschenlamp rut, un gah op Expeditschion. Hoffentlich kiekt nu keen Nawer. Nützt nix. Ik mutt rünner op’n Buuk, ligg dor köhl un platt as dootschaten quer vör mien Döör un mit’n Kopp düker* ik af mang de natten, kolen Planten. Licht an un dor: Direkt senkrecht ünner de Lantücht slummert wohrhaftig dat Aas vun Minischruuv! Zack, ik lang to un bingo. Heel suutje un nich schön dreih ik mi nu sülvst wedder hoch op twee Been. An ’t Enn heff ik allns wedder op schick un bin superstult. Föhl mi grootordig. Tjo, dat Avendüer liggt oftins even direkt vör dien Döör …

En poor Wöör:

Beer - hier: Glühbirne fikeliensch - kompliziert, schwierig dükern - tauchen

Hochdeutsche Version

Auf Tauchstationn

Mist! Die Außenlampe am Haus ist kaputt. Alles dunkel. Okay, reparier ich morgen. Und dann am Sonntag ganz früh serviere ich Slapstick pur, und kein Schwein guckt zu. Immerhin. Ich stell den kleinen Tritt raus. Schön akkurat auf die Klinkertreppe, etwas schräg unter die Lampe. Hm, noch ziemlich kalt draußen, meine Finger klamm. Ich muss mich gewaltig strecken. Und direkt unter der Lampe liegt mein zugewachsener Vorgarten. Oh nein, zwei winzige schwarze Schräubchen wollen rausgedreht werden. Dann das runde Glas abnehmen und die Glühbirne tauschen. Vertrackt. Und der Teufel sitzt immer im Detail. Schon sausen beide Schrauben runter. Mist Mist. Ach nee, eine fliegt beim Manöver elegant mit doppeltem Salto seltsamerweise durch die geöffnete Tür ins Haus! Landet auf den weißen Fliesen. Perfekt. Aber Nummer zwei? Bitte nicht irgendwo tief im Grün und Matsch . Mist Mist Mist! Was nun? Und dann geht bei mir ein Licht an: Ich hol die große Taschenlampe raus und gehe auf Expedition. Hauptsache, es guckt keiner. Egal. Ich muss runter auf den Bauch, liege dort kühl und platt wie totgeschossen quer vor meiner Tür, und mit dem Kopf tauche ich ab zwischen die nassen, kalten Pflanzen. Und da: Direkt senkrecht unter der Lampe schlummert tatsächlich das Aas von Minischraube! Zack, ein Griff und gut. Ganz langsam und nicht schön schraube ich mich nun selber wieder hoch auf zwei Beine. Am Ende habe ich alles gewuppt, bin stolz. Fühle mich wie eine Heldin des Alltags! Tja, das Abenteuer liegt im wahrsten Sinne des Wortes manchmal direkt vor der eigenen Haustür…