Kolumne Ines Barber - Frisch un free (Folge 15)

04. May 2021, Ines Barber, Ines Barber

 

Plattdeutsche Version

Wat’n Aggewars*!

 

De Sünn strohl in mien Huus, un ik verjaag mi meist: Lüüd, wat segen de Tapeten scheddrig ut! Geiht jo gor ni. Zack, her mit` Handy un mien Leevlingsmaler anropen. Sowiet so goot. Man denn hett he mi sien Farvpalettenböker dorlaten. Dicke Packen vun bunte lange Striepens mit Aftönklören*. Gröön, hellgröön, lichtgröön, quietschgröön, palmgröön, appelgröön, zortgröön… boah.

Na, ik wull jo blots n‘ beten Creme un beten Hellgries, dat kunn jo nich so swor sien. Vun wegen! Ik bün denn an‘ Morrn mit Lampe an un ok över Middag mit de vulle Pracht vunne Sünn dor dörch as’n Tiger op Jagd. De lütten Farvaftön-Papeer-Striepens heff ik an lange Arm vör mi dörch’t Huus dregen. Een Blick oppe Striepens, een anne Wand. Warrst bekloppt.

Na, is allns goot gahn, meist allns. Blots de blau-sülvern-Fliesenkant in’t Gäste-WC hett sik nich würklich mit mien niege helle Creme-Farvton verstahn. Okay, ik müss nomol de Farvstriepens studeern, harr al keen Lust mihr. Nu bün ik modig vun Creme op’n beten kräftigeret Gries wesselt. De Maler mal allns över. Beten pienlich weer mi dat.

Dat Ergevnis? Wedder knapp dorneven. Ik kreeg meist dat Blarrn. Mien Maler wull mi noch begööschen*: »Tööv mol, de Farv is noch natt, de wart sik entwickeln!« Man wohen blots? Jo.

Ik heff mi dat »entwickelt« Ergevnis annerthalv Daag ankeken, denn bün ik los. Hen na’n Bumarkt, »Pantoffelgrau« utsöcht un sülvst övermalt. De drütte Versöök pass. Herrjeh. Un mien Maler kriggt dat garanteert nich to weten. Wat’n Aggewars!

 

Een poor Wöör:

Aggewars – Was für ein Gerödel, Aufwand! (Petuhtantendeutsch) –

Aftönklören – Abtönfarben

Begööschen - beruhigen

 

Hochdeutsche Version

Was für’n Aggewars

 

Die Sonne strahlte in mein Haus, und ich erschrak: Leute, was sah die Tapete scheddrig aus! Geht ja gar nicht. Her mit dem Handy und meinen Lieblingsmaler angerufen. Soweit so gut. Aber dann ließ er mir seine Farbpalettenbücher da. Dicke Packen mit vielfarbigen Probestreifen. Grün, hellgrün, lichtgrün, quietschgrün, palmgrün, apfelgrün, zartgrün … boah.

Na, ich wollte ja nur etwas Creme und Hellgrau, das konnte ja nicht so schwierig werden. Denkste, Puppe. Bei künstlichem Licht und bei Sonnenlicht, ich bin mit den Packen von Farbstreifen am ausgestreckten Arm durchs Haus getigert. Immer ein Blick auf die ausgesuchte Farbe, ein Blick auf die Wand. Irre.

Na, ging alles gut. Fast. Nur die blau-silberne Fliesenkante im Gäste-WC vertrug sich nicht wirklich mit meinem neuen hellen Creme. Also, ich musste nochmal die Farbstreifen studieren. Lustlos. Jetzt bin ich mutig  von Creme auf ein etwas kräftigeres Grau gewechselt. Der Maler malte gelassen alles wieder über. Schon etwas peinlich.

Das Ergebnis? Wieder knapp daneben. Ich war mit den Nerven am Ende. Mein Maler sagte nur freundlich beschwichtigend: »Geduld! Die Farbe ist noch nass, die wird sich entwickeln.« Bloß wohin? Genau.

Ich habe mir das »entwickelte« Ergebnis eineinhalb Tage angesehen, dann bin ich los. Hin zum Baumarkt. »Pantoffelgrau« ausgesucht und selbst gemalt. Der dritte Versuch passte. Herrjeh. Und mein Maler kriegt das garantiert nicht zu wissen. Was für’n Aggewars!