Kolumne Ines Barber - Frisch un free (Folge 16)

04. May 2021, Ines Barber, Ines Barber

 

Plattdeutsch

Een Summerdroom

Hochsummer! Endlich. Eendoont wat de Dag mit Sünnschien oder ok mol`n mit‘n warme Regen anfangt: Summer is toll. Letzt heff ik mol överleggt, wat is egentlich mien schönstet Summergeföhl? Wo an hangt dat? Un schwupps, mien Bregen hett sik op’n Reis dörch de Tiet makt.

Ik lannt inne Kinnertiet, wo sünst?

Toerst dükert dor de Daag an lütt See op. So bün ik opwussen. Mit de Familie weern wi inne söstiger Joarn jümmers an’t Weekenend an‘ Wittensee. Een Droom. Ik kunn as lütt Deern stünnlang oppe Luftmatraz liggen, de dümpel denn op‘n See. Mien Öllern harrn se mit’n örnlich Band an‘ Steg antüdelt, 15 Meter Freeheit. Lütt Inilein schull jo nich sünstwohen afdrieven.

Bi schönstet Summerwedder leeg ik dor oppe warme Luftmatratz op’n Buuk, haal den Kopp över de Kant un beluer* al de de lütten Stichlinge ünner mi in‘t Water. Stünnlang. Sott* satt. Summer pur.      

 Un: Ik mutt bi Summer jümmers an Eerdberen dinken, ik heff op’n Stutz een ganz bestimmte Smack oppe Tung. Dormols inne söstiger Joarn hett mien Modder dor noch richtig veel Zucker över streut. Geev Saft. Denn kippen wi eenfach söte, beten anquirlt Slaggermaschü* doröver, un nu allns schön mischen. Mit’n grote Löpel schüffel ik düssen Erdbeerdroom rin, de Zucker knirsch noch mang de Teen. Beter geiht ni. Hüüt is Zucker Düvelswark un Slagrahm meist ok. Egol, af un an mutt ik dat hebben. Jüst so, eenmol mit allns! Un denn vun‘ See drömen. Summer is toll.

En poor Wöör:

beluern – beobachten

Slaggermaschü – Schlagsahne

 

Ein Sommertraum

Hochsommer! Endlich. Egal wie der Tag beginnt, mit einem warmen Regen oder Sonnenschein: Sommer ist toll. Vor kurzem habe ich mal überlegt, was ist eigentlich mein schönstes Sommergefühl? Womit verknüpfe ich das? Und zack, mein Gehirn macht sich auf eine Reise durch die Zeit. Ich lande in der Kindheit, wo sonst!?

Zuerst tauchen da die Tage am kleinen See auf. So bin ich aufgewachsen. In den sechziger Jahren hat meine Familie immer an den Wochenenden am Wittensee Zeit verbracht. Ein Traum. Als kleines Mädchen konnte ich stundenlang auf der Luftmatratze liegend so auf dem See herumdümpeln. Meine Eltern hatten mich mit einer soliden Leine gesichert, 15 Meter Freiheit, klein Inilein sollte ja nicht sonstwohin abtreiben.

Bei schönstem Sommerwetter lag ich bäuchlings auf der warmen Luftmatratze, schob den Kopf über die Kante und beobachtete die kleinen Stichlinge im Wasser unter mir. Glück pur. Sommer satt.

Und: Ich muss bei Sommer immer an Erdbeeren denken, habe sofort einen ganz bestimmten Geschmack auf der Zunge. Damals in den Sechzigern streute meine Mutter immer richtig viel Zucker über die Früchte, das gab Saft. Dann wurde süße, leicht angeschlagene Sahne darüber gegossen und nun alles schön vermischt. Mit einem großen Löffel schaufelte ich diesen Erdbeertraum in mich hinein. Der Zucker knirschte noch zwischen den Zähnen. Besser geht’s nicht.

Heute ist weißer Zucker Teufelswerk und Schlagsahne meist ebenso. Egal. Ab und zu muss ich das einfach haben. Genau so, einmal »mit alles«! Und dann vom See träumen. Sommer ist toll.